Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Anlageberater, der für 24 Profis der Handball-Bundesliga Immobilienkäufe abwickelte
Gegen den besonders im deutschen Profi-Handball aktiven Hamburger Anlageberater Björn-Heiko Scholz ist beim Landgericht Detmold Ende März eine Zivilklage eingereicht worden. Kläger ist Fynn Holpert, Beiratsvorsitzender des Handball-Bundesligisten TBV Lemgo. Holpert, der bis Sommer 2009 Geschäftsführer des Erstligisten SG Flensburg- Handewitt war, wirft Scholz vor, ihn als Käufer bei der Abwicklung eines Immobilien deals in Berlin im Sommer 2007 mit Hilfe des Verkäufers und einer Notarin geschädigt zu haben. Der Streitwert liegt bei rund 345.000 Euro. In derselben Sache erreichte die Staatsanwaltschaft Detmold ebenfalls Ende März eine Strafanzeige gegen Scholz wegen Verdachts des Betruges. Seither ermittelt die Behörde unter dem Aktenzeichen 23 Js 302/10, ob auch Scholz bei Holperts Wohnungskauf in Berlin unrechtmäßig Geld von einem Notaranderkonto zufloss, mit dem die Fertigstellung der Immobilie bezahlt werden sollte. Scholz bestreitet die Vorwürfe, er sieht sich selbst als Geschädigten des Verkäufers. Sein Hamburger Anwalt beantragte Mitte Juli bei der Staatsanwaltschaft Detmold die Einstellung des Ermittlungsverfahrens. Einigen Handballprofis, in deren Auftrag Finanzberater Scholz Immobilien erwarb, droht nach Ende ihrer Karriere offenbar Zahlungsunfähigkeit. Sie haben sich Anwälte genommen, um mit den Banken über Zahlungsmoratorien oder Notverkäufe zu verhandeln. So steht der isländische Nationalspieler Logi Geirsson, der bis vor wenigen Wochen in Lemgo spielte, vor dem finanziellen Ruin. Zwischen November 2006 und Mai 2009 kaufte Geirsson 20 Wohnungen zum Preis von rund 2,4 Millionen Euro, die er vollständig mit Krediten finanzierte. Derzeit ist Geirsson zahlungsunfähig. Vermittelt und abgewickelt, teilweise als Bevollmächtigter Geirssons, hat die Immobilienkäufe Scholz. Der Hamburger Anlageberater steuerte im deutschen Profihandball offenbar zielstrebig auf potentielle Investoren zu. Dem SPIEGEL liegt eine Kooperationsvereinbarung von Scholz’ Firma vor, die Spieler beratern Provisionen garantierte, wenn sie Scholz den Kontakt zu Profisportlern ermöglichten, mit denen er ins Geschäft kommen wollte. Anlageberater Scholz wickelte im Auftrag von insgesamt 24 Profis der Handball-Bundesliga Immobilienkäufe ab, unter anderem vom HSV Hamburg, dem TBV Lemgo, der SG Flensburg-Handewitt, der HSG Wetzlar, den Füchsen Berlin und dem THW Kiel.