Razzia bei Love-Parade-Veranstalter Schaller - DER SPIEGEL
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Razzia bei Love-Parade-Veranstalter Schaller

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Rund drei Wochen nach der Love-Parade-Katastrophe mit 21 Toten hat die Staatsanwaltschaft Duisburg Geschäftsräume des Veranstalters Rainer Schaller sowie zweier privater Sicherheitsfirmen durchsuchen lassen. Anfang voriger Woche erschienen die Ermittler in insgesamt sechs Objekten in Berlin, Duisburg, Essen und Köln sowie im bayerischen Taufkirchen und im fränkischen Schlüsselfeld, dem Firmensitz von Schallers Sportstudio kette McFit. Wie aus einem bereits am 9. August erlassenen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Duisburg hervorgeht, sollten vor allem "Daten über die Organisationsstruktur", "Auftragsunterlagen" und "Personaldaten" der auf der Love Parade eingesetzten Mitarbeiter gesichert werden. Unterdessen belegen neu aufgetauchte Dokumente der Duisburger Stadtverwaltung, dass sich die Polizei vor der Love Parade von den Organisatoren getäuscht fühlte. In einer Sitzung der Arbeitsgruppe Sicherheit ("AG 4") hatte der Düsseldorfer Polizeidirektor Jörg Schalk bereits am 18. Juni das dubiose PR-Konzept angeprangert: Die öffentlichen "Aussagen des Veranstalters" wichen "erheblich von denen ab, die in den Sicherheitsbesprechungen benannt wurden", wird Schalk in dem vertraulichen Protokoll zitiert, das dem SPIEGEL vorliegt. "Insbesondere die Aussagen zur Größe der geplanten Veranstaltung" ließen "eine Werbe strategie vermuten, die den tatsächlichen Möglichkeiten des Veranstaltungsraumes und damit notwendigen Sicherheitsüberlegungen nicht entsprechen". Obwohl das Gelände nur für 250000 Besucher zugelassen war, hatten Veranstalter Schaller und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland stets von mehr als einer Million erwarteter Besucher gesprochen. Inzwischen hat der CDU-Politiker eingeräumt, seine Angaben seien eine Marketinglüge gewesen (SPIEGEL 33/2010). Polizeidirektor Schalk hatte die "offensive Bewerbung" mit den falschen Zahlen bereits bei der Sitzung im Juni scharf kritisiert: Der Öffentlichkeit werde "suggeriert", dass eine Teilnahme an der Love Parade "auch bei derart hohen Teilnehmerzahlen vollkommen problemlos möglich" sei. In Wahrheit aber werde die "eigentliche Veranstaltungsfläche ab einer gewissen Besucherzahl überfüllt sein"; es werde "zu Rückstauungen auf den Wegführungen" kommen. Das wiederum führe "zu einem nicht mehr funktionierenden Wegekonzept". Dieses Szenario trat später dann auch ein. Der Tunnel, durch den Zehntausende Besucher auf das Gelände geführt wurden, barg aber noch ein anderes Risiko, das den Organisatoren der Love Parade bewusst war: Wie aus internen Unterlagen der Stadt Duisburg hervorgeht, hatten Experten bereits im April vor einer möglichen Überflutung gewarnt: "Bei Unwetter sammelt sich Wasser im Tunnel."