Kroatiens Präsident Stipe Mesic warnt vor dem nächsten Balkankrieg
Der kroatische Staatspräsident Stipe Mesic ruft den Westen auf, einen fünften Balkankrieg zu verhindern, den Serbenführer Slobodan Milosevic "jederzeit auslösen könne. In einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL sagt Mesic: "Milosevic ist wie ein Radfahrer, der nur solange in Schwung bleiben kann, wie er in Richtung Krieg fährt. Die Nato müsse "ein ganz klares Signal setzen: Milosevic, wenn du militärisch eingreifst, sind deine Tage gezählt. In Bezug auf das Kosovo wirft Mesic dem Westen vor, nicht energisch gegen den verdeckten Einfluss von Milosevic auf die Kosovo-Serben vorgegangen zu sein. Sein Vorschlag: "Die Grenze zwischen Kosovo und Serbien müsste von der Friedenstruppe rigoros abgeriegelt werden.
Auch an seinem im Dezember verstorbenen Amtsvorgänger Franjo Tudjman übt Kroatiens neuer Präsident scharfe Kritik. Gegenüber dem SPIEGEL sagt Mesic: "Tudjman lebte gedanklich im Mittelalter, genau wie Milosevic noch heute in Serbiens historischer Größe schwelgt. Mesic räumt ein, dass Kroatien den wirtschaftlichen Aufbruch nach Europa verfehlt habe, doch hofft er, zusammen mit den EU-Anwärtern Slowenien und Ungarn in den kommenden fünf Jahren "in die EU-Strukturen hinein zu rutschen. Voller Optimismus sieht der kroatische Präsident den Einigungsprozess in Europa: "Die Völker werden in einem vereinten Europa nur noch eine regionale Kulturhoheit wahrnehmen, aber politisch wird im europäischen Konsens entschieden, nicht mehr auf nationaler Ebene. Auch Serbien wird einmal EU-Mitglied sein, wenn Milosevic verschwunden ist.