Überwachung für Ex-Guantanamo-Häftlinge in Deutschland abgelehnt
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist mit seinem Vorstoß gescheitert, die beiden ehemaligen Guantanamo-Gefangenen in Deutschland durch den Verfassungsschutz überwachen zu lassen. Die Länder Hamburg und Rheinland-Pfalz verweigerten sich dem Ansinnen mit der Begründung, de Maizière habe die Männer schließlich als ungefährlich eingestuft. Eine Delegation von Beamten des Bundesinnenministeriums und des Bundeskriminalamts hatte den Syrer Mahmud Salim al-Ali und den Palästinenser Ahmed Mohammed al-Shurfa Mitte vergangener Woche in Ramstein in Empfang genommen. Der Bund und die Länder gehen davon aus, dass die Eingliederung der beiden Ex-Häftlinge bis zu einem Jahr dauern wird. Den Männern steht ein umfangreiches Integrationsprogramm mit jeweils 600 Trainingseinheiten bevor. Dazu zählt Unterricht über das demokratische System Deutschlands, ein Sprachkurs und mittelfristig die Suche nach Arbeit. "Es geht darum, nach vielen isolierten Jahren in Guantanamo das Leben in einer fast völlig neuen Welt einzuüben", sagt der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD). Al-Ali ist vorerst in einer Wohnung außerhalb von Mainz untergebracht und wird von einem Sozialverband betreut, für al-Shurfa, der sich zur Untersuchung im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf aufhält, haben die Behörden eine Zweizimmerwohnung einer Wohnungsbaugesellschaft der Stadt bereitgestellt. Die beiden Männer waren Ende 2001 und Anfang 2002 in Afghanistan festgenommen und später nach Guantanamo gebracht worden. Anfang April war eine Delegation des Innenministeriums aus Guantanamo zurückgekehrt und hatte sogar drei Gefangene für eine Aufnahme empfohlen; die Gefangenen seien allesamt ungefährlich. De Maizière hatte jedoch entschieden, lediglich zwei der Männer nach Deutschland zu lassen. Bei dem Dritten sah der Minister Sicherheitsprobleme – die Ablehnung befriedete zugleich den konservativen Flügel der Union.