AOK rechnet mit deutlich höheren Arzneimittelpreisen ab Januar
Der stellvertretende Vorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Christopher Hermann, geht davon aus, dass die AOK aufgrund des neuen Arzneimittelgesetztes ab 1. Januar deutlich höhere Preise für Generika-Arzneimittel bezahlen müssen. Kommt das Arzneigesetz so wie geplant, werden die AOK ihre bisher erfolgreichen Rabattverträge nicht mehr fortführen können, erklärte Hermann dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Eine Klausel des geplanten Gesetzes besagt, dass das Kartellrecht künftig in vollem Umfang auch auf die Krankenkassen ausgedehnt wird. Der große AOK-Verband könnte dann nicht mehr so hohe Medikamentenrabatte erzielen wie bisher. "In dem Moment, wo es in die Fläche geht, werden die Rabattverträge kaputtgemacht", sagt Hermann. Das Bundeskartellamt bestätigte gegenüber dem SPIEGEL, die Rabattverträge der AOK überprüfen zu wollen, wenn das neue Gesetz in Kraft tritt. "Allzu machtvolle Einkaufs gemeinschaften der Krankenkassen könnten durch die Anwendung des Kartellrechts verhindert werden", erklärte Kay Weidner, Sprecher des Kartellamts. AOK-Verhandlungsführer Hermann erzielt durch Rabattverträge mit den Generikafirmen allein in diesem Jahr Einsparungen in Höhe von 520 Millionen Euro für die AOK-Versicherten. Die Ankündigung von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), bei Arznei mitteln zwei Milliarden Euro einsparen zu wollen, hält der AOK Baden-Württemberg-Vizechef für eine Illusion: "Die paar Kröten, die die Regierung im Patentgeschäft einspart, verlieren wir im Rabattgeschäft wieder."