Liechtensteins Regierung strebt Abgeltungsteuer für Schwarzgeld an ¿ auch rückwirkend
Liechtensteins Regierungschef Klaus Tschütscher rechnet nicht mehr damit, dass deutschen Steuerbehörden in Zukunft noch gestohlene Bankdaten aus seinem Land angeboten werden. "Das Thema Datenklau dürfte der Vergangenheit angehören", sagte Tschütscher in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Ende Oktober trete ein Abkommen zum Informationsaustausch zwischen den Finanzbehörden beider Länder in Kraft, ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Liechtenstein solle "bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sein". "Da wird es sich schlicht nicht mehr lohnen, Geld für dubiose CDs auszugeben", sagte Tschütscher, der sich zudem eine Abgeltungsteuer für Altfälle vorstellen könnte. Auf die Frage, ob das bedeuten würde, dass Steuerflüchtlinge dann auch rückwirkend alte Zinsgewinne deklarieren müssten, sagte er: "Das könnte ein Weg sein."
Vorbild könne aber auch eine Regelung sein, wie sie zwischen Großbritannien und Liechtenstein schon existiert. Dabei haben britische Kunden bis 2015 die Möglichkeit, ihre Konten zu offenbaren. Wenn sie bis dahin ihre Anlagen nicht deklarieren, muss die Kundenbeziehung in Liechtenstein beendet werden. "Damit werden Treuhänder und Banken Teil der Lösung, nicht des Problems", so der Regierungschef, der sein Land in einem "Transformationsprozess" sieht: "Wir wandeln uns derzeit von einer Steuer- zu einer Stabilitätsoase." Tschütscher selbstkritisch: "Seien wir ehrlich: Wir waren früher eine Black Box." Aber dem heutigen "Diktat totaler Transparenz kann sich niemand mehr entziehen".