Japan dementiert Stimmenkauf für Wiederaufnahme des Walfangs
Mit Hilfe finanzieller Zuwendungen soll Japan sich Stimmen von Kleinstaaten für die Wiederaufnahme des Handels und der Jagd von Walen erkauft haben. Diesen Vorwurf erhebt die Internationale Umweltschutzorganisation Greenpeace in einem neuen Dossier "Operation Stimmenkonsolidierung" über das das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe berichtet. Danach ist Japan für einzelne Mitgliedsstaaten des Artenschutzübereinkommens Cites als auch der Internationalen Walfangkommission zum "größten Einzahler von Entwicklungshilfe" geworden.
Auf dem Südsee-Eiland Tuvalu macht der Geldstrom aus Nippon angeblich "die Hälfte der nationalen Wirtschaftsleistung" aus, die Karibikstaaten St.Vincent, Dominica, Trinidad und Tobago sollen Millionen für Förderung der Küstenfischerei oder der Hafenanlagen erhalten. Nach Recherchen von Greenpeace erleichtert Japan mit finenziellen Zuwendungen auch die Mitgliedschaft in der Walfangkommission (Jahresbeitrag 60000 Mark) und übernimmt zudem Hotel- und Reisespesen für Delegierte.
Gegenüber dem SPIEGEL bestreitet ein japanischer Regierungsprecher, "Stimmen bei den Entwicklungsländern für eine Aufhebung des Walfangverbotes zu sammeln." Japan setze bei dem Streit auf "wissenschaftliche und nicht politische oder emotionale Argumente." Außenminister Joschka Fischer will bei seinem bevorstehenden Staatsbesuch in Japan auf die "weltweite Gefährdung zahlreicher Walarten" hinweisen, die Wiederaufnahme der kommerziellen Jagd sei, so Fischer, "nicht akzeptabel". (DER SPIEGEL 15/2000, Seite 250)