EKD-Ratsvorsitzender Schneider - Bundesregierung "unklug"
Der neugewählte EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider, 63, will bei seinem bevorstehenden Antrittsbesuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel deutliche Kritik äußern. "Wir hatten einen Kompromiss in unserem Lande, der die Beendigung der Laufzeiten festgelegt hat", sagt Schneider im SPIEGEL-Interview über die Atompolitik: "Es war unklug von der Bundesregierung, diesen Konsens wieder in Frage zu stellen." Dadurch werde auch die Debatte zur Endlagerung erschwert. "Die Bürger protestieren nicht grundlos", so Schneider. Schneider ist außerdem über Forderungen beunruhigt, den Afghanistan-Einsatz zu verlängern. "Ich bin dafür, die Soldaten aus Afghanistan so schnell wie möglich abzuziehen, ohne einen Scherbenhaufen zu hinterlassen", sagt er. Dies werde er sicher bei der Kanzlerin zur Sprache bringen: "Militärische Gewalt kann nur das letzte Mittel sein." Auch bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) favorisiert Schneider einen anderen Kurs als die Kanzlerin: In der EKD wolle er "diese Debatte noch einmal aufnehmen". Er halte "eine gewisse Öffnung für möglich", die EKD könne ihre ablehnende Haltung womöglich aufgeben: "Das könnte ein Ergebnis sein". Merkel setzt sich dagegen für ein striktes PID-Verbot ein. Schneider sprach sich außerdem für finanzielle Hilfen für ehemalige Heimkinder aus, die Missbrauch zum Opfer gefallen seien. "Wir sind alle tief erschrocken über die Abgründe, in die wir gesehen haben." Bei den Heimen habe es "ein institutionalisiertes Versagen" gegeben, sagte Schneider, "nicht nur einzelne Übergriffe von Erziehern". Die Opfer sollen nun von der evangelischen Kirche "Hilfen zur Lebensbewältigung in ihrer Zukunft" erhalten. Bei den Protestanten habe es darüber hinaus knapp 50 zurückliegende Taten von sexuellem Missbrauch gegeben. Für diese Fälle suche die EKD "eine einheitliche Regelung, die möglichst auch in anderen Institutionen, Schulen, Vereinen und Verbänden angewendet werden kann."