Die CDU muss "die Luft über den Stammtischen reinigen" - fordert der neue Generalsekretär Ruprecht Polenz
Der neue Generalsekretär der CDU, Ruprecht Polenz, geht in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL auf Distanz zum bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Anstatt die Lufthoheit über den Stammtischen zu erobern, müsse die CDU die "Luft über den Stammtischen reinigen" und dafür sorgen, "dass das, was da manchmal an Vorurtei len ist, nicht in einer miefigen Atmosphäre bleibt, sondern ein Stück weiter aufgeklärt wird." Polenz kündigte an, er werde Jürgen Rüttgers, den CDU-Spitzenkandidaten im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen, unterstützen, den Slogan "Kinder statt Inder" wolle er aber nicht benut zen.
Von Altkanzler Helmut Kohl erwartet der neue CDU-Generalsekretär künftig Zurückhaltung. Polenz zum SPIEGEL: "Er hat selbst ja gesagt, dass seine Zeit als aktiver Politiker vorbei ist."
In der Türkei-Politik hält Polenz an seiner von der Parteimehrheit abweichenden Haltung fest und spricht sich für eine Beitrittsperspektive der Türkei zur Europäischen Union aus. Die Tür kei, so Polenz zum SPIEGEL, "muss sich auf das europäische Modell hinbewegen, mit Demokratie, respektierten Menschenrechten, Zivilgesellschaft - dann gibt es eine Beitrittsperpektive." Die rot-grüne Regierung habe aber in der Türkei falsche Erwartungen geweckt, als ging dies bereits in fünf bis sechs Jahren.
Polenz sprach sich außerdem klar für die Osterweiterung der Europäischen Union aus. Wegen ihrer Rolle bei der deutschen Einheit habe Deutschland gerade gegenüber Polen, Tschechien und Ungarn eine "moralische Verpflichtung, als Anwalt ihrer Interessen bei einem EU-Beitritt aufzutreten." (DER SPIEGEL 16/2000, Seite 28)