Das Auswärtige Amt wusste von der Tschetschenien-Reise des BND - DER SPIEGEL
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Das Auswärtige Amt wusste von der Tschetschenien-Reise des BND

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Das Auswärtige Amt (AA) wusste von den Bemühungen des Bundesnachrichtendienstes (BND), eine Delegation ins Kriegsgebiet nach Tschetschenien zu entsenden. Entsprechende Pläne wurden dem AA rechtzeitig vor Beginn der Reise vom Kanzleramt mitgeteilt. Die Spitze des Kanzleramts war auch über Details der Reise des BND-Präsi denten August Hanning informiert. Einwände gegen die geplante Mission erhoben we der Kanzler- noch Außenamt. Das meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe.

Die Bundesregierung bestreitet, dass es bei der Hanning-Mission am 17. und 18. März dieses Jahres, an der auch Militär- und Terrorismusexperten des Dienstes beteiligt waren, zu einem Austausch solcher Informationen gekommen sei, die den Russen bei der Kriegsführung gegen die Tschetschenen behilflich gewesen sein könnten. Dagegen haben BND-Vertreter auf mindestens zwei Sitzungen seit Herbst vergangenen Jahres Angehörigen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB Material über ausländische Milizionäre in den Reihen der tschetschenischen Verbände und über geplante Anschläge in Russland und Weißrussland übergeben.

Nach Erkenntnissen des BND kämpfen bis zu 800 Glaubenskrieger, viele von ihnen aus Afghanistan, auf Seiten der Tschetschenen. Etliche gehören angeblich zum Netzwerk des als Drahtzieher zahlreicher Attentate verdächtigten Ussama Ibn Ladin. Die Bundesregierung fürchtet, dass islamische Fundamentalisten ihren Kampf auf das benachbarte Georgien und andere GUS-Staaten ausweiten könnten.

Der BND hat präzise Informationen über einen Teil der Afghanen, die heute als Schlüsselfiguren des islamischen Extremismus gelten. In den achtziger Jahren stattete der deutsche Geheimdienst die Fundamentalisten für ihren Kampf gegen Moskau mit Gasmasken, Nachtsichtgeräten, Decken und Zelten aus, die mit Bundeswehr-Maschinen und dem Dienstflugzeug des BND-Präsidenten in den pakistanischen Grenzort Peschawar geflogen worden waren. Eine Delegation der Haushaltskontrol leure des Bundestages besuchte die Verteilstation des BND und wurde vom damaligen pakistanischen Präsidenten Zia ul-Haq empfangen. (DER SPIEGEL 16/2000, Panorama Deutschland)