Affäre Ernst weitet sich aus, Haftbefehl gegen zwei ehemalige Spitzenmanager der Deutschen Bahn
Das Ermittlungsverfahren gegen den Heidelberger Projektentwickler Roland Ernst weitet sich aus. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, erließ am 7. April die Bochumer Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen Haftbefehl gegen den ehemaligen Spitzenmanager der Deutschen Bahn Alexander May und seinen Projektleiter Horst Hadergasser. May war von 1995 bis Ende 1997 für große Teile des Immobilienimperiums der Deutschen Bahn verantwortlich. Heute ist der Ex-Geschäftsführer der Deutschen Bahn Immobilien Professor an der Leipziger Universität. Gegen die beiden Ex-Bahnangestellten wird wegen des Verdachts der Erpressung und der Steuerhinterziehung ermittelt.
Auslöser des Verfahrens waren die Ermittlungen gegen Ernst wegen des Verdachts der Untreue und des Betruges. Ernst soll rund 5,3 Millionen Mark an Provisionen unrechtmäßig erhalten haben. Gegen eine Kaution von rund vier Millionen Mark wurde Ernst, der jegliche persönliche Bereicherung bestreitet, Haftverschonung gewährt. Bei Vernehmungen sagte der Baulöwe, dass er May und Hadergasser zusammen über neun Millionen Mark Schmiergelder gezahlt habe, um bei sechs Projekten mit der Bahn ins Geschäft zu kommen.
Begonnen habe der Deal mit der Frankfurter Immobilie Galluspark II. Das Objekt war zunächst unverkäuflich. Dreistellige Millionenverluste und die Pleite drohten. Erst nachdem Ernst die Deutsche Bahn als Mieter für die Immobilie gewonnen hatte, wurde sie verkäuflich. Für die Unterschrift unter den Mietvertrag hätten Hadergasser und May rund zwei Millionen Mark verlangt. Bei anderen Bahn-Projekten wie den Cargo-Centern in Duisburg-Wedau und Mainz oder bei Bauprojekten der DB-Netz in Kassel, Karlsruhe und Hamm sei ähnlich verfahren worden. (DER SPIEGEL 16/2000, Panorama Deutschland)