Schliemann-Schätze in Sankt Petersburg aufgetaucht - DER SPIEGEL
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Schliemann-Schätze in Sankt Petersburg aufgetaucht

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach der Präsidentenwahl in Russland will sich die Bundesregierung nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL verstärkt um die Rückgabe eines Kunstschatzes bemühen, den der Chef des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte Wilfried Menghin vor einem Jahr in Sankt Petersburg entdeckte. Beim Besuch der Eremitage wurden ihm riesige Altbestände seines Museums präsentiert, die seit 1945 als verschollen galten. Abgeschirmt in einem Spezialraum des Sankt Petersburger Kunsttempels werden in grauen Schubladen merowingische Funde, silberne Fibeln und fränkische Schwerter sowie die von Rudolf Virchow ausgegrabene "Kau kasus-Sammlung" verwahrt.

Die Pretiosen (Menghin: "6000 Objekte, davon 1200 von allererster Qualität") wurden von den Berlinern bisher als "totaler Kriegsverlust" geführt. "Auch ein kleiner Teil an Bronzen und Keramiken aus der Schliemann-Sammlung", so Menghin, sei ihm bei zwei Besuchen vom befreundeten Eremitage-Chef Michail Piotrowski gezeigt worden. Wie Menghin erklärte, sei die sensationelle Entdeckung bereits 1999 erfolgt, aber geheim gehalten worden, um anlaufende Rückführungsverhandlungen nicht zu stören.

Staatsminister Michael Naumann hofft jetzt auf ein Einlenken. Der Kulturbeauftragte reist Ende des Monats nach Moskau, um dort ein mit SPIEGEL-Hilfe beschlagnahmtes Mosaik des Bernsteinzimmers zu übergeben. Dabei will der SPD-Politiker die Beutekunst zum Thema machen. Naumann: "Wir werden unseren Rechtsstandpunkt entschieden und energisch vortragen." (DER SPIEGEL 16/2000, Panorama Deutschland)