DIW-Chef Zimmermann kritisiert eigenen Mitarbeiter
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) übt heftige Kritik an seinem Arbeitsmarktexperten Karl Brenke. Dieser hatte eine Studie zum Thema Fachkräftemangel erstellt, in der er zum Schluss kommt, der erwartete Fachkräftemangel sei eine "Fata Morgana". Brenkes Analyse sollte am vergangenen Dienstag veröffentlicht werden, wurde aber, nachdem der SPIEGEL daraus berichtete, zwei Tage zurückgehalten und überarbeitet. "Es gab eine Kommunikationspanne bei uns", sagte Zimmermann nun dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Was der SPIEGEL vorab über das Papier berichtete, hatte noch nicht den normalen Bearbeitungsprozess durchlaufen, deshalb standen auch einige Aspekte wie zum Beispiel der Titel nicht schlussendlich fest", so Zimmermann. "Hier kann nicht jeder schreiben, was er will." Es gebe einen Qualitätskontrollprozess und vor der Veröffentlichung ein Einspruchsrecht verschiedener Leute. Der Autor müsse seine Analyse mit seinen Kollegen und seinem Abteilungsleiter diskutieren. Es gehe um wissenschaftliche Qualität unter Wahrung fachlicher Unabhängigkeit. Es seien kaum gestiegene Löhne von Facharbeitern – wie von Brenke unterstellt – nicht zwingend ein Beleg für Fachkräftemangel. Ein anderer Punkt seien die offenen Stellen, "die Herr Brenke als Beleg herangezogen hat", so Zimmermann. "Offene Stellen sind eben oft nicht passgenau zu den Qualifizierungen der Arbeitslosen. Man kann eben nicht daraus schließen, dass es keinen Fachkräftemangel gibt, nur weil es genügend offene Stellen gibt." Das Erarbeiten einer neuen Fassung der Studie sei aber keine Zensur. "Wenn ich das getan hätte, wären zumindest auch die Passagen mit den Löhnen und offenen Stellen in der neuen Fassung nicht enthalten gewesen. Herr Brenke hat die von ihm gewünschte Position als Diskussionsbeitrag einnehmen können." Ob Brenke Konsequenzen zu befürchten hat, ließ Zimmermann offen. "Wir haben die Frage, was wir daraus lernen können, noch nicht besprechen können."