US-Börsenaufsicht und -Justizministerium ermitteln weiter in der Siemens-Schmiergeldaffäre
Die Siemens-Schmiergeldaffäre ist für Ex-Vorstandschef Heinrich von Pierer und etliche seiner früheren Kollegen noch nicht abgeschlossen. Seit einigen Monaten ermitteln die amerikanische Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium intensiv wegen möglicher Verfehlungen von einzelnen Siemens-Managern. Sie sollen, lässt sich ihre Mitwirkung an den weltweiten Bestechungen belegen, in Amerika vor Gericht gestellt werden. Zwar hatten sich die US-Behörden vor zwei Jahren auf einen 800 Millionen Dollar Vergleich eingelassen, aber nur mit der Firma Siemens. Die Jagd auf die Männer, die das Schmiergeldsystem stützten, ist für die Amerikaner dagegen nicht zu Ende. Ganz oben auf ihrer Liste: Pierer und der frühere Chef der Kraftwerkssparte, Uriel Sharef, der auch für das Südamerika-Geschäft zuständig war. Denn vor allem für Siemens-Projekte in Argentinien, Venezuela und Kolumbien interessieren sich die Amerikaner. Bereits vor einigen Wochen befragten die US-Fahnder in diesem Zusammenhang den heutigen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und weitere frühere Siemens-Kontrolleure. In dieser Woche nun kommt erneut eine Ermittlergruppe nach Deutschland. Offizieller Anlass ist ein Gespräch mit Theo Waigel – der CSU-Politiker war Siemens nach dem Vergleich mit den US-Behörden als Aufpasser zur Seite gestellt worden. Doch nach dem Pflichttermin wollen sich die Ermittler auch mit Kennern der Korruptionsaffäre unterhalten und erhoffen sich dabei neue, belastende Hinweise. Außerdem ist für den kommenden Mittwoch auch ein Treffen mit Hildegard Bäumler-Hösl, oberste Siemens-Jägerin der Münchner Staatsanwaltschaft, geplant. In den vergangenen Wochen hatten die Amerikaner zudem stetig Dokumente zu der Schmiergeldaffäre bei Siemens angefordert. Die amerikanischen Fahnder stehen unter Druck. In den letzten Monaten hatten Politiker in Washington immer wieder gefordert, dass eine der größten Schmiergeld affären in der Geschichte nicht allein mit Geldstrafen geahndet werden könne. Erst kürzlich, so heißt es, habe der Leiter der Anti-Korruptions-Einheit im Justizministerium seiner Truppe eingeheizt: Wenn in so einem riesigen Fall keiner in den Bau gehe, dann "haben wir versagt". Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer sagte gegenüber dem SPIEGEL, von den US-Ermittlungen sei ihm nichts bekannt. Die jetzigen Ermittlungen gegen ehemalige Siemens-Manager ist möglich, weil das Unternehmen an der New Yorker Börse gelistet ist und damit unter US-Recht fällt.