Präsidentin des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg kririsiert Jobcenter - DER SPIEGEL
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Präsidentin des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg kririsiert Jobcenter

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Monika Paulat, 62, Präsidentin des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg, über die Klageflut zum Arbeitslosengeld II

SPIEGEL: Die Sozialgerichte werden mit Klagen von Hartz-IV-Empfängern überrannt. Eigentlich sollte die Reform doch alles einfacher machen?

Paulat: Das hat leider nicht so funktioniert wie gedacht.

SPIEGEL: Dabei gibt es nun einen pauschalen Regelsatz.

Paulat: Es gibt auch Streit um die Pauschalen, aber meist geht es um das ganze Drumherum, das im Detail ungeheuer schwierig sein kann: Wer zählt zu einer Bedarfsgemeinschaft, wie sind Einkünfte anzurechnen, wie viel darf die Unterkunft kosten, und wie sind zu Unrecht bewilligte Leistungen zurückzufordern?

SPIEGEL: Hätten solche Dinge nicht klarer geregelt werden können?

Paulat: Man muss immer den Einzelfall ansehen. Und leider trägt auch die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts nicht immer zur Erleichterung bei, etwa bei der Frage, was die angemessenen Unterkunftskosten sind – da sind nun sehr komplizierte Berechnungen nötig. Es liegen aber viele Vorschläge auf dem Tisch, um die Dinge deutlich zu vereinfachen. Die Politik müsste das nur anpacken.

SPIEGEL: Und die Jobcenter?

Paulat: Das ist nach wie vor ein Riesenproblem. Die Mitarbeiter sind oft unzureichend qualifiziert, die EDV-Programme fehlerhaft, und die Fluktuation ist zu hoch.

SPIEGEL: Es gibt den Vorschlag, dass die Hartz-IV-Kläger künftig die Prozessgebühren selbst bezahlen sollen.

Paulat: Das ist Unfug. Die Erfolgsquote der Klagen liegt bei 50 Prozent oder mehr. Die meisten würden dann Prozesskostenhilfe bekommen. Stattdessen sollten die Jobcenter eine Gebühr für jedes Verfahren zahlen müssen.

SPIEGEL: Also sind die zu streitlustig?

Paulat: Deren Vertreter sind leider oft nicht mal dann bereit nachzugeben, wenn sich die Niederlage klar abzeichnet. Am besten wäre es, die Jobcenter würden, schon bevor es zu einer Klage kommt, die Leute an einen Tisch holen. Dann ließen sich viele Konflikte auch ohne Gerichtsverfahren beilegen.