Staatsanwaltschaft São Paulo ermittelt gegen Siemens wegen Korruptionsverdachts
Der Münchner Technologiekonzern Siemens soll auch in Brasilien Bestechungsgelder gezahlt haben, um an öffentliche Aufträge zu kommen. Das behauptet ein ehemaliger Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft von São Paulo ermittelt seit 2008 gegen Siemens. Die Untersuchung sei "komplex und schwierig", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Valter Santin. Doch Siemens "sind weder Ermittlungen gegen das Unternehmen noch gegen Mitarbeiter bekannt", erklärt der Konzern. Bei den verdächtigen Geschäften geht es um drei Projekte über den Bau und die Wartung von Nahverkehrsbahnen in São Paulo und Brasília aus dem Jahr 2000, das Gesamtvolumen beträgt rund eine Milliarde Euro. Dabei sollen als "Kommissionen" getarnte Schmiergelder in zweistelliger Millionenhöhe an Direktoren des öffentlichen Nahverkehrs sowie Beamte der Regionalregierungen geflossen sein, zum Teil über Firmen in Uruguay. Das geht aus Dokumenten hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. Die verdächtigen Verträge zwischen Siemens do Brasil und den Briefkastenfirmen wurden in der Siemens-Zentrale in München unterzeichnet. Der Zeuge hatte den Ombudsmann des Konzerns, Hans-Otto Jordan, sowie die Staatsanwaltschaft bereits 2008 per Einschreiben über die verdächtigen Praktiken informiert und Kopien zahlreicher Dokumente übermittelt. Der Konzern habe nicht reagiert, sagt der Zeuge. Ein Kontakt sei nicht möglich gewesen, heißt es dagegen in einer Siemens- Stellungnahme, weil der Hinweis anonym eingegangen sei. Bis heute habe sich der Absender des Briefes nicht zu erkennen gegeben. Inzwischen prüfe Siemens "auf Grund eines erneuten anonymen Hinweises" die Vorwürfe. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.