Neue Enthüllungen zur Flugaffäre in Nordrhein-Westfalen
Aus einem vertraulichen Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfungsfirma Arthur Anderson zur Flugaffäre in Nordrhein-Westfalen geht nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL hervor, dass der zurückgetretene Finanzminister Heinz Schleußer offenbar nur einen einzigen Flug der Westdeutschen Landesbank privat bezahlt hat. Von den insgesamt bei der WestLB gebuchten 1241 Charterflug-Rechnungen, heißt es im Bericht, wurde nur "eine Rechnung" aus dem Jahr 1995 mit "Kosten in Höhe von DM 29743, 50 für einen Flug von Düsseldorf nach Brac" erstattet. Schleußer hatte bislang behauptet, mit exakt diesem Betrag zwei Flüge beglichen zu haben.
Auch WestLB-Chef Friedel Neuber kommt laut SPIEGEL durch das Arthur-Anderson-Gutachten in Erklärungsnöte. Demnach musste die WestLB nach Prüfungen der Finanzbehörden für die Jahre 1989 bis 1996 "nicht nur so genannte Politikerflüge" in Gesamthöhe von 1,673 Millionen Mark nachversteuern, sondern offenkundig auch private Flüge der Bank-Vorstände. Der Zwischenbericht offenbart die überaus laxe Büroführung bei der WestLB: Auf Grund "der fehlenden Dokumentation" könne "nicht mehr zweifelsfrei festgestellt werden, wer wann wohin auf Kosten der WestLB geflogen ist". Zwischen 1985 und 1999 identifizierten die Prüfer trotzdem 66 Politiker-Flüge ohne Begleitung von WestLB-Personal für insgesamt 1,187 Millionen Mark. Die Kosten hätten den "Jahresüberschuss in voller Höhe gemindert".