Bundesregierung will feindliche Übernahmen nicht verhindern - DER SPIEGEL
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Bundesregierung will feindliche Übernahmen nicht verhindern

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Anders als ursprünglich vorgesehen, will die Bundesregierung nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL feindliche Übernahmen in Deutschland nun doch nicht verhindern. Dies sehen die Pläne für ein Übernahmegesetz vor, das unter Federführung von Hans Martin Bury, Staatsminister im Kanzleramt, vorbereitet wird.

Noch im vergangenen November, als die Schlacht um Mannesmann tobte, hatte Kanzler Gerhard Schröder Wert darauf gelegt, "dass es feindliche Übernahmen nicht gibt". Das neue Gesetz hingegen soll vor allem die Aktionäre, nicht die attackierte Gesellschaft schützen. Zu dem Sinneswandel hat eine von Schröder einberufene Expertenkommission beigetragen, die am 17. Mai abschließend tagt.

Dem Rat der Runde zufolge soll, wie DER SPIEGEL berichtet, ein "Papier-Deal" nach dem Modell Mannesmann (Vodafone-Chef Chris Gent hatte nur mit Aktien bezahlt) auch künftig erlaubt sein. Wenn der Käufer eine Firma per Aktientausch übernimmt, genügt es, dass er den Aktionären "liquide Wertpapiere" anbietet, die sich jederzeit zu Geld machen lassen. Nur wenn der Angreifer einzelne Großaktionäre bar abfindet, muss er auch den Kleinaktionären Cash anbieten.

Nach diesen Plänen sollen künftig Käufer immerhin bis zu 30 Prozent der Aktien nach und nach an der Börse erwerben dürfen, ehe sie allen anderen Aktionären ein Angebot vorlegen müssen, berichtet DER SPIEGEL. Die Manager der attackierten Firma will die Regierung während der Übernahmeschlacht zudem weitgehend zur Neutralität verpflichten, damit sie nicht eigene Interessen verfolgen. Teure Anzeigenkampagnen der Beteiligten könnten daher bald der Vergangenheit angehören. Für bestimmte Abwehrmaßnahmen müsste der Vorstand die Zustimmung der Hauptversammlung einholen. Dafür soll die Einladungsfrist für Aktionärstreffen von bisher vier auf zwei Wochen verkürzt werden.