Hunde-Expertin fordert "Soko Pitbull" für alle Bundesländer - DER SPIEGEL
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Hunde-Expertin fordert "Soko Pitbull" für alle Bundesländer

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dorit Feddersen-Petersen, 52, Hundeexpertin und Verhaltensforscherin an der Uni Kiel, über Schutz vor gefährlichen Hunden

SPIEGEL: Die Innenminister der Länder haben sich nicht auf ein Zuchtverbot für Kampfhunde einigen können. Eine verpasste Chance?

Feddersen-Petersen: Zwar hätte das Verbot die Volksseele sicher beruhigt, aber das ja ernst zu nehmende Problem wäre damit kein bisschen gelöst. Das ist in erster Linie ein soziologisches und betrifft die Hundehalter.

SPIEGEL: Aber die Hunde wären erst mal von der Straße verschwunden ...

Feddersen-Petersen: ... und sehr schnell würden neue Kreuzungen aus Rassen herangezogen, die nicht verboten sind. Die Auswahl der zu verbietenden Rassen ist wahllos. Ich erstelle jährlich 40 Gutachten in Fällen, in denen Hunde Menschen angegriffen haben. Das waren meistens Jagdhunde oder große Mischlingshunde.

SPIEGEL: Also gar nichts unternehmen?

Feddersen-Petersen: Doch, sogar massiv. Alle Länder brauchen eine Soko Pitbull, weil es in jeder Großstadt organisierte Hundekämpfe gibt. In einer Grauzone werden lebensgefährliche Zeitbomben herangezogen. Die Behörden haben da bislang nichts getan. Und für Hundezüchter brauchen wir eine Art TÜV.

SPIEGEL: Das soll reichen?

Feddersen-Petersen: Wir müssen Verhaltenstests für alle Rassen einführen, bei denen auf Aggressivität geprüft wird. Hunde, die durchfallen, werden kastriert. Aber wenn ich sehe, wie viele völlig ahnungslose Leute einen Herdenschutzhund in einer Etagenwohnung halten, wundere ich mich, dass nicht noch viel mehr passiert. Da muss aufgeklärt werden.

SPIEGEL: Und wenn Sie selbst auf einmal einem Pitbull gegenüberstehen?

Feddersen-Petersen: Dann kriege ich vielleicht auch Angst. Das sollte man den Hund aber nicht merken lassen.

SPIEGEL: Wie soll man sich verhalten?

Feddersen-Petersen: Am besten tut man so, als sehe man den Hund gar nicht. Auf keinen Fall anstarren, das wird als Bedrohung aufgefasst, auch nicht weglaufen. Wenn der Hund angreift, den Kopf mit den Armen schützen, sich nicht wehren - und hoffen, dass einem jemand hilft.