5500 Deutschen droht neue Hüftoperation
In Deutschland droht mehreren tausend Patienten, dass ihr neu eingesetztes künstliches Hüftgelenk wieder ausgetauscht werden muss. Grund dafür sind Hüftprothesen der Firma DePuy, die womöglich schwerwiegende Mängel aufweisen. Im September vergangenen Jahres hatte die Tochterfirma des US-Konzerns Johnson & Johnson das Implantat vom Markt genommen, nachdem in anderen Ländern ungewöhnlich viele Patienten Beschwerden hatten und ihre Hüftprothesen vorzeitig wieder herausoperiert worden waren. In Deutschland sind allein 5500 Patienten betroffen. Viele dürften bisher nicht einmal wissen, dass ihr neues Hüftgelenk Probleme bereiten könnte. Weil es in Deutschland noch kein funktionierendes Prothesenregister gibt, sind viele Betroffene bisher noch gar nicht benachrichtigt, wie der SPIEGEL schreibt. Bei Patienten mit Metallprothesen von DePuy hatten sich Schiefstellungen des Gelenks ergeben. Ein Abrieb des Metalls könnte zudem zu Entzündungen führen. Darüber hinaus weisen viele Patienten überhöhte Konzentrationen von Chrom und Kobalt auf, die im Körper giftig wirken. Der Berliner Rechtsanwalt Jörg Heynemann, der mehrere Betroffene vertritt, hat Anfang April eine Strafanzeige erstattet. Der Medizinrechtler wirft dem Hersteller vor, in Deutschland weiter Hüftgelenke verkauft zu haben, obwohl sie in anderen Ländern bereits vom Markt genommen worden waren. Nach Informationen des SPIEGEL führen Krankenkassen inzwischen in aller Stille Vergleichsverhandungen mit DePuy. Das hilft aber nur den Kassen. Den Patienten dürfte es nach einer Einigung zwischen den Kassen und DePuy noch schwerer fallen, eigene Forderungen nach Schadensersatz und Schmerzensgeld zu stellen. Um Betroffenen in Zukunft mehr Schutz zu gewähren, will die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Die Grünen) nun einen neuen Vorstoß für ein Gesetz für ein flächendeckendes Prothesenregister unternehmen.