Röttgen bereitet Industrie und Bürger auf Kosten für Atomausstieg vor
Bundesumweltminister Norbert Röttgen schwört Unternehmen und Bürger auf höhere Kosten bei einer Abkehr von der Kernenergie ein. "Es gibt keinen goldenen Weg in die Energiezukunft, der nichts kostet und keinerlei Anstrengungen erfordert", schreibt der CDU-Politiker in einem Beitrag für den SPIEGEL. "Jeder wird sich beteiligen müssen, die Industrie ebenso wie die Haushalte." Die Politik müsse dabei darauf achten, dass Energie nicht zum Luxusgut für wenige werde und die energieintensive Industrie in Deutschland wettbewerbsfähig bleibe. In dem Beitrag zum Jahrestag des Tschernobyl-Unfalls vor 25 Jahren hält Röttgen Kritikern der Atomwende entgegen, Kernenergie möge "kurzfristig zwar als eine billige Energiequelle erscheinen, aber ihre Kosten sind im Fall einer Katastrophe zu hoch". Das gelte vor allem für die humanitären Folgen. Tschernobyl habe "unermessliches Leid über die Menschen gebracht, das heute noch spürbar ist". Vor allem Kinder hätten furchtbar gelitten. "Kein wirtschaftliches Ziel ist es wert, das Wohl der Menschen, die heute leben, und derjenigen, die nach uns kommen, fundamental zu gefährden – und das über Generationen hinweg", so der Minister. Auch die ökologischen und wirtschaftlichen Folgekosten der Kernenergie seien im Fall eines schweren Unfalls so hoch, dass über die Risiken der Kernkraftnutzung neu nachgedacht werden müsse. Es sei "bezeichnend, dass keine Versicherung der Welt bereit ist, diese Risiken abzudecken". Diese gewaltigen Folgekosten trügen in erster Linie die Staaten und damit die Allgemeinheit der Steuerzahler – über nationale Grenzen hinweg. Erst jüngst habe die Bundesregierung auf einer Geberkonferenz in Kiew zugesagt, zu den schon geleisteten Zahlungen bis zu 42,4 Millionen Euro zusätzlich für die nächsten Jahre beizusteuern. "Auch die Folgekosten für den Reaktorunfall in Fukushima werden erheblich sein und die Volkswirtschaft Japans auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte belasten." Der Umstieg auf erneuerbare Energien kann nach Röttgens Ansicht schneller gehen als bisher geplant: "Ich bin überzeugt: Innerhalb einer Generation ist es gerade für ein Hochindustrieland wie Deutschland möglich, die Stromversorgung weitestgehend aus regenerativen Energien zu bestreiten – und dabei führendes Industrieland zu bleiben", resümiert er in seinem Beitrag.