Außenminister Fischer sorgt sich um wachsende Distanz zwischen Washington und Berlin - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Außenminister Fischer sorgt sich um wachsende Distanz zwischen Washington und Berlin

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bundesaußenminister Joschka Fischer ist besorgt über die wachsende politische Distanz Deutschlands zu den USA. "Ich empfehle allen Partnern dringend, den Kontakt zu Washington stark zu suchen", erklärte er in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Die mögliche Entscheidung der USA für ein nationales Raketenabwehrsystem werde "erhebliche internationale Auswirkungen" zeitigen. Fischer bezweifelte, dass aus der angenommenen Bedrohung Amerikas durch Raketen von so genannten Schurkenstaaten "gleich die Konsequenz gezogen werden muss, ein nationales Abwehrsystem zu bauen". Denkbar wären auch Ansätze zu einer präventiven politischen Lösung derartiger Konflikte, so Fischer zum SPIEGEL.

Von "Fundamentalopposition" gegen das amerikanische Rüstungssystem rät Fischer jedoch ab: "Das hieße, seine Kräfte zu überschätzen." Auch "Resignation wäre völlig falsch", so Fischer: "Ich rate zu interessenorientiertem Realismus im Bündnis."

In dem Interview mit dem SPIEGEL wies Fischer außerdem die Kritik des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber an der geplanten Ost-Erweiterung der Europäischen Union zurück. "Es wäre eine historische Eselei sondergleichen, die Erweiterung nicht mit aller Kraft anzustreben", so Fischer. "All diejenigen, die sich national nennen, aber das Gegenteil predigen, versündigen sich an den Interessen und an der Zukunft unseres Landes."

(DER SPIEGEL 20/2000, Seite 39)