Pharmakonzerne in Verdacht
Beamte der Staatsanwaltschaften Frankfurt und München haben in der vergangenen Woche die Pharmakonzerne Aventis und Smithkline Beecham wegen des Verdachts auf Bestechung und Steuerhinterziehung durchsucht. Nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL haben die Ermittler neben Mitarbeitern beider Firmen zahlreiche Ärzte im Visier.
Ein anonymer Insider aus der Pharmabranche hatte die Ermittler über ein so genanntes Verordnungseinkaufsmodell informiert. Danach sollen bei der Markteinführung von "Teveten", eines Mittels zur Behandlung von Bluthochdruck, unrechtmäßig Gelder und andere illegale Provisionen an Ärzte geflossen sein, die das Medikament verschrieben hatten. "Häufigverordner" hätten wertvolle Uhren erhalten. In den Abrechnungen seien diese Uhren als Blutdruckmessgeräte aufgetaucht und als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt worden.
Wenn Ärzte Bargeld gefordert hätten, seien für die Geldtransfers Quittungen für "wissenschaftliche Beratungsleistungen" ausgestellt worden. Auch Luxusreisen wurden angeblich als Belohnung vergeben; um sie steuerlich geltend machen zu können, seien sie als Fortbildungsmaßnahmen wie "Blutdruckmessen auf der Piste" verbucht worden.
Der Anonymus hatte zunächst die Frankfurter Steuerfahndung informiert, doch dort blieb das brisante Papier unbearbeitet. Ende vergangenen Jahres wandte sich der Tippgeber an das hessische Gesundheitsministerium, das seinerseits das Finanzministerium um Aufklärung bat. Bei den Firmendurchsuchungen wurde umfangreiches Material sichergestellt. Die Sprecherinnen der Unternehmen gaben sich "zuversichtlich, dass sich der Verdacht nicht bestätigen wird".
(DER SPIEGEL 20/2000, Panorama)