Deutsche Soldaten erschossen drei Demonstranten
Die Bundeswehr hat bei einem Zwischenfall in Taloqan am 18. Mai nicht einen, sondern drei Demonstranten erschossen. Dies geht nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL aus einem Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen hervor. Zunächst hatte die Bundeswehr behauptet, es gebe keine Erkenntnisse, dass deutsche Soldaten jemanden tödlich verwundet hätten. Dann wurde ein Toter für möglich gehalten. Nun sind es offenbar drei.
Nach einer nächtlichen Attacke amerikanischer Spezialeinheiten eskalierte eine Trauerfeier für die vier afghanischen Opfer zu einem Angriff auf das deutsche Außenlager in Taloqan. Einige Demonstranten warfen Molotow-Cocktails und Handgranaten. Nach dem Bericht der Uno wurden dabei vier afghanische Sicherheitskräfte und zwei deutsche Soldaten verletzt. Die Deutschen hätten erst mit Signalpistolen geschossen, dann Warnschüsse abgegeben. Schließlich hätten sie auf die Demonstranten gezielt. Der Uno-Bericht nennt ihr Verhalten "angemessen". Zur gleichen Schlussfolgerung kommt auch ein deutscher Untersuchungsbericht, den das Verteidigungsministerium seit gut einer Woche unter Verschluss hält, genauso die Bilder der Überwachungskameras.
Ein Vertreter des afghanischen Geheimdienstes NDS geht davon aus, berichtet der SPIEGEL weiter, dass es bei den afghanischen Sicherheitskräften 130 bis 150 sogenannte Schläfer gibt, die von der Taliban-Führung jederzeit für Angriffe gegen die ausländischen Truppen genutzt werden könnten. Bis zu sieben Prozent der afghanischen Soldaten und Polizisten hätten Sympathien für die Taliban.
Rangin Dadfar Spanta, der nationale Sicherheitsberater des afghanischen Präsidenten, sagte zur Drohung von Hamid Karzai, die Afghanen würden die westlichen Soldaten als Besatzer betrachten, sollten bei ihren Einsätzen weiterhin Zivilisten ums Leben kommen: "Es ist Karzais letztes Wort in dieser Sache, es sollte ernst genommen werden. Die Stimmung in der Bevölkerung wird jetzt gegen die Nato kippen, wenn nichts passiert." Zu Verhandlungen mit den Taliban sagte Spanta: "Sie könnten hilfreich sein, wenn Pakistan bereit ist, den Friedensprozess zu unterstützen. Das ist nicht der Fall. Die Kalkulation Pakistans ist eine andere: Der Westen ist offensichtlich müde und zieht sich bald zurück. Dann kann Pakistan Afghanistan endlich als strategischen Raum nutzen.