Fälschungsskandal weitet sich aus - Kunsthistoriker Werner Spies in Frankreich verklagt - DER SPIEGEL
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Fälschungsskandal weitet sich aus - Kunsthistoriker Werner Spies in Frankreich verklagt

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Der renommierte Kunsthistoriker Werner Spies ist vor einem französischen Gericht auf Schadensersatz verklagt worden. Hintergrund ist ein offenbar gefälschtes Gemälde im Stile des Surrealisten Max Ernst, für das Spies eine Echtheitserklärung ausgestellt hatte und das später für 1,1 Millionen Dollar vom Auktionshaus Sotheby's in New York versteigert wurde. Spies, der keinen Zweifel an der Echtheit des Gemäldes hatte, gilt als weltweit führender Experte für das Werk von Max Ernst. Eine französische Justizsprecherin bestätigte dem SPIEGEL, dass bei der 6. Kammer des Zivilgerichts von Nanterre bei Paris ein entsprechendes Verfahren gegen Spies anhängig sei. Kläger ist eine Firma, die das Bild 2004 von einer Pariser Galerie gekauft hatte. Spies selbst wusste nach eigenen Angaben zunächst nichts von dem Verfahren. Am Donnerstag bestätigte sein deutscher Anwalt dem SPIEGEL die Klage.

Nach Ermittlungen des Berliner Landeskriminalamts (LKA) wurde das fragliche Max- Ernst-Bild "Tremblement de terre" von der Bande um den Künstler Wolfgang Beltracchi in Umlauf gebracht, der im Mai zusammen mit drei mutmaßlichen Komplizen von der Kölner Staatsanwaltschaft wegen vielfachen Betrugs angeklagt wurde. Laut Anklage haben die Beschuldigten, deren Anwälte sich gegenüber dem SPIEGEL nicht zu den Vorwürfen äußern wollten, durch Verkauf und Weiterverkauf von 14 gefälschten Bildern einen Schaden von annährend 34,1 Millionen Euro verursacht. Parallel ermitteln die Fahnder zu weiteren dubiosen Gemälden.

Die bislang teuerste Fälschung aus der erfundenen "Sammlung Jägers", mit der die Verdächtigen die Herkunft vieler Werke erklärten, war ebenfalls von Werner Spies als echt befunden worden. 2006 wurde das Bild "La Forêt (2)", angeblich 1927 von Max Ernst gemalt, sogar im Max Ernst Museum in Brühl ausgestellt und nach Ermittlungen des Berliner LKA kurz darauf für 7 Millionen Dollar an den New Yorker Medienzar Daniel Filipacchi verkauft. Der langjährige Verleger der Zeitschrift "Elle" gilt als einer der größten Surrealismus-Sammler der Welt.