Neuer Schmiergeld-Verdacht gegen Hilfsorganisation
Der Vorsitzende der Hilfsorganisation "Viva Westfalen hilft e.V.", Wolfgang Tietze, ist offenbar weit stärker in den möglichen Pharma-Schmiergeldskandal um fingierte Medikamentenlieferungen nach Nordkorea verwickelt als bisher bekannt. Die Staatsanwaltschaft Verden verdächtigt Tietze, seit 2004 mehr als 750.000 Euro Schmiergeld vom Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis für die Vermittlung von Arzneimittelbestellungen angenommen zu haben. Darüber hinaus soll Tietze aber nach Informationen des Hamburger Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL weitere "Vermittlungsprovisionen" in Höhe von 1,05 Millionen Euro von der Firma Floki GmbH erhalten haben, die der Familie des ehemaligen Sanofi-Aventis-Cheflobbyisten Erich Dambacher gehört. Dambacher vermittelte nach seinem Ausscheiden bei Sanofi-Aventis im Jahr 2007 Medikamentenlieferungen der Firma Klosterfrau für die Hilfsorganisation "Viva Westfalen".
In den Jahren 2006 bis 2010 flossen auf diese Weise Arzneimittel im Wert von 56 Millionen Euro von Klosterfrau an den Viva-Partner und Großhändler Multi-Trade International. Für diese Lieferungen hat Tietze von 2008 an offenbar 1,5 Prozent der Summe als Provision erhalten. Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben ihres Sprechers Marcus Röske den Verdacht, dass es sich bei diesen Provisionszahlungen ebenso wie bei den Zahlungen von Sanofi-Aventis um Schmiergeld handelt. Tietzes Anwalt wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern, Pharmamanager Erich Dambacher erklärte lediglich, "die gezahlten Provisionen sind keine Schmiergelder". Außer gegen Dambacher und Tietze ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen weitere sechs Beschuldigte, vier davon sind Mitarbeiter von Sanofi-Aventis.