Ex-Minister Krause unterstützt Alteigentümer im Kampf gegen die Bodenreform in Ostdeutschland
Günther Krause, 1990 Chefunterhändler der DDR bei den Vereinigungsverhandlungen mit der Bundesregierung und später Minister unter Helmut Kohl, lässt sich nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL im Kampf der Alteigentümer gegen die Bodenreform in Ostdeutschland einspannen. Krause hatte im vergangenen Jahr eidesstattlich versichert, die Sowjetunion hätte die Enteignungen in der DDR zwischen 1945 und 1949 nie zur Bedingung für die deutsche Einheit erhoben - zur Freude der damals von den Sowjets enteigneten Grundbesitzer. Die Bundesregierung hatte vor dem Bundesverfassungsgericht anders argumentiert: ohne Garantie für die Bodenreform keine Wiedervereinigung.
Wie eng Krause mit der Alteigentümer-Lobby zusammenarbeitet, wurde laut SPIEGEL jetzt durch Zufall bekannt. Krause schrieb Ende April einen Brief in Sachen Bodenreform an den Ex-Chef der SPD-Volkskammerfraktion, Richard Schröder. Durch einen Faxfehler erhielt Schröder jedoch schon zuvor einen gleich lautenden Entwurf des Schreibens - aus der Münchner Kanzlei von Max Strauß, welche die Bodenreform-Opfer vertritt.
Der Text war von Strauß-Sozius Bardia Khadjavi-Gontard an den Hamburger Kaufmann Heiko Peters weitergeleitet worden, der seit Jahren große Anzeigen gegen die Enteignungen mit wilder Polemik gegen die ehemalige Regierung Kohl/Kinkel schaltet. Lobbyist Peters schickte wiederum den Entwurf an Krause weiter, versehen mit der handschriftlich Anmerkung: "Lieber Günther, das ist die Form, die mein Freund Dr. Khadjavi streng vertraulich für richtig findet. Beste Grüße, Heiko." Schröder antwortete nun direkt dem Anwalt: Er bringe Krause in den Verdacht, "ein gekaufter Zeuge zu sein".
(DER SPIEGEL 21/2000, Panorama)