Was Ai Weiwei im Gefängnis erlebte
In einem Beitrag für den SPIEGEL berichtet der prominente chinesische Exil-Literat Bei Ling über die Haftbedingungen, denen sein Landsmann Ai Weiwei 81 Tage lang im Gefängnis ausgesetzt war. Bei bezieht sich in seinem Artikel auf Berichte von Ais Freunden und Mitgliedern seiner Familie. Ai selbst darf über seine Haft nicht öffentlich reden. Der regimekritische Schriftsteller Bei Ling hatte Ai Weiwei 1988 in New York kennengelernt und darf selbst seit elf Jahren nicht mehr nach China einreisen. Während Ais Haft hatte er eine Solidaritätsausstellung in Taipeh organisiert. Bei Ling berichtet im SPIEGEL, man habe seinem Freund Ai nach dessen Verhaftung am 3. April auf dem Pekinger Flughafen eine Maske übergestülpt. Im Gefängnis sei er dann in eine sechs Quadratmeter große Zelle gebracht worden, das einzige Möbelstück sei "eine Pritsche aus Metall" gewesen. Bei Ling zitiert Ai Weiwei mit dem Satz, "meine Geschichte klingt simpel, aber jede Sekunde an diesem Ort war von unüberbietbarem Schmerz". Er habe sich gefühlt "wie eine kleine Bohne, die auf den Boden gefallen ist und in einer Ritze verschwindet. Still und unbemerkt, für alle Zeiten". Bei Ling, der zu den Gründern des chinesischen PEN-Clubs gehört, berichtet weiter, Ai sei im Gefängnis 52-mal verhört und rund um die Uhr bewacht worden. Obwohl die Behörden Steuervergehen als Grund für Ais Verhaftung angegeben hatten, sei der Künstler, so Bei Ling, nie dazu befragt worden.