Evangelische Kirche lobte Holocaust-Organisator Eichmann
Für den Holocaust-Organisator Adolf Eichmann hat sich der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesregierung unter Konrad Adenauer 1960 eingesetzt. Das geht aus Akten im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes (AA) hervor. Darin findet sich ein Schreiben des Linzer Superintendenten Wilhelm Mensing-Braun an das kirchliche Außenamt in Frankfurt am Main. Der Superintendent bescheinigte dem im österreichischen Linz aufgewachsenen Massenmörder eine "grundanständige Gesinnung" , ein "gütiges Herz" und "große Hilfsbereitschaft". Mensing-Braun konnte sich "nicht vorstellen", dass der ehemalige SS-Obersturmbannführer "je zu Grausamkeit oder verbrecherischen Handlungen fähig gewesen wäre". Eichmann war kurz zuvor von den Israelis aus Argentinien nach Israel entführt worden. Seine Geschwister wollten erreichen, dass ein inter nationaler Gerichtshof und nicht ein israelisches Gericht den Fall verhandelte. Sie hatten daher Mensing-Braun um Hilfe gebeten. Tatsächlich leitete Bischof Hermann Kunst, Vertreter der EKD bei der Bundesregierung, das Schreiben Mensing- Brauns an das AA mit dem Hinweis weiter, das Votum sei "mindestens interessant". Doch der Vorstoß war erfolglos. Eichmann wurde 1962 in Jerusalem verurteilt und hingerichtet.