Chinas stellvertretende Außenministerin beklagt die Arroganz des Westens - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Chinas stellvertretende Außenministerin beklagt die Arroganz des Westens

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Pekings Vize-Außenministerin Fu Ying beklagt sich im SPIEGEL-Gespräch über die Her ablassung, die der Westen China entgegenbringe. "Der Westen ist hochnäsig", sagt Fu, 58. Europäer und Amerikaner neigten dazu, "die alte Schablone des Kalten Krieges auf China anzulegen. Das verwundert China sehr." Der Blick Europas und der USA sei einseitig auf die Frage der Menschenrechte verengt und "negativ". Der Westen müsse akzeptieren, dass es noch andere politische Systeme gebe als Demokratie westlichen Zuschnitts: "Demokratie allein bringt eben noch kein Essen auf den Tisch." Auf die Frage nach dem Schicksal des über 80 Tage lang inhaftierten oppositionellen Künstlers Ai Weiwei sagt sie: "Für Sie existieren Menschenrechte nur im Zusammenhang mit Einzelpersonen, die staatszerrüttend wirken oder Gesetze brechen." Fu hält den westlichen Regierungen Fehlverhalten vor: "Warum geben sie mehr Geld aus, als sie haben? Warum geben sie Versprechen, die sie nicht einlösen können?" Sie räumt ein, dass eine Ausdehnung der Finanzkrise in Europa oder den USA auch China treffen würde: "Wir sitzen in einem Boot. Wir sind wirklich besorgt, wenn die westlichen Wirtschaften in Schwierigkeiten sind. Deshalb sind es gute Nachrichten, dass Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy das Heft in die Hand nehmen wollen." China verfüge zwar seit kurzem über einen Flugzeugträger, habe aber "nicht die Absicht, die USA herauszufordern", und betrachte sie nicht als Bedrohung: "China hat nicht die Absicht, die Welt zu regieren." Wichtiger noch als die militärische Aufrüstung sei Peking die Bekämpfung der Armut. "Die Generation meiner Tochter hat als erste keinen Hunger mehr erlebt, das ist ein unglaublicher Fortschritt."