"Wir sind gegen Sonderregeln." Prostituierten-Beraterin Marion Detlefs über den Sexsteuer-Automaten auf dem Bonner Straßenstrich - DER SPIEGEL
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"Wir sind gegen Sonderregeln." Prostituierten-Beraterin Marion Detlefs über den Sexsteuer-Automaten auf dem Bonner Straßenstrich

Marion Detlefs, 49, Sozialpädagogin bei Hydra, einer Berliner Beratungsstelle für Prostituierte, über den Sexsteuer-Automaten auf dem Bonner Straßenstrich
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SPIEGEL: Bonner Prostituierte auf dem Straßenstrich müssen nun ein Ticket an einem umgebauten Parkscheinautomaten ziehen – die Stadt kassiert pro Nacht sechs Euro. Ist das eine gute Lösung?

Detlefs: Nein, wir sind gegen solche Sonderregeln für Prostituierte. Wir wollen für die Frauen eine Gleich behandlung – auch in steuerlichen Fragen.

SPIEGEL: Befürworter sagen, mit dem Automaten erreiche man jetzt Prostituierte, die bislang keine Abgaben gezahlt haben. Die Stadt Bonn spricht von "Steuergerechtigkeit".

Detlefs: Wenn Frauen darunter sind, die sich mit dem Steuerrecht nicht auskennen, dann muss man sie dabei unterstützen. Wir empfehlen jeder Prostituierten, ein Gewerbe anzu melden und so aus der Anonymität herauszugehen, wann immer ihr das aus persönlichen Gründen möglich ist. Die Frauen unter Generalverdacht zu stellen ist falsch. Auch in jedem anderen Gewerbe gibt es Leute, die ihre Steuern nicht zahlen. Für die baut man ja auch keinen Automaten auf.

SPIEGEL: Die Stadt rechnet mit rund 200.000 Euro Einnahmen pro Jahr. Das wären mehr als 90 zahlende Frauen jede Nacht. Ist das realistisch?

Detlefs: Das würde mich sehr überraschen. So viele Frauen begegnen uns selbst hier in Berlin nirgendwo pro Schicht.