Deutsche Geiseln auf Jolo vermuten ein "korruptes Spiel"
Die von philippinischen Terroristen fest gehaltenen deutschen Geiseln auf der Insel Jolo glauben immer weniger an ihre baldige Freilassung. "Wir sind immer noch nicht sicher, ob wir überhaupt hier rauskommen", sagte Renate Wallert, eine der insgesamt 21 Entführten, dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in einem Interview. Wörtlich sagte sie: "Wir sterben hier, und Sie können nichts tun."
In dem Interview warf der im Dschungel festgesetzte Göttinger Lehrer Werner Wallert der philippinischen Regierung zudem vor, mit einem Armeeangriff das Leben der Geiseln riskiert zu haben. Offenbar habe Präsident Estrada gegenüber der Armee die Marschroute ausgegeben: "Bringt die Sache hinter euch, und dann liefern wir eine tränenreiche Entschuldigung." Der Sohn der Wallerts übte ebenfalls Kritik an der Regierung. Sie spiele "ein korruptes Spiel, um Zeit herauszuschinden".
(DER SPIEGEL 22/2000, Seite 174)