Neue Hinweise auf Ecclestone-Erpressung im Fall Gribkowsky
Kurz vor Beginn des Prozesses gegen den Ex-Vorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, verdichten sich die Hinweise auf eine Erpressung. Gribkowsky hatte 2005 die Anteile der Landesbank an der Formel 1 für mehr als 800 Millionen Dollar verkauft und später 44 Millionen Dollar aus dem Umfeld von Formel-1-Mogul Bernie Ecclestone kassiert. Angeklagt ist Gribkowsky vor dem Landgericht München allein wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung. Die Zeugenaussage einer Ex-Mitarbeiterin untermauert aber nun die Behauptung von Ecclestone, er sei erpresst worden. Die Mitarbeiterin hatte in ihrer Vernehmung vor der Staatsanwaltschaft München ausgesagt, sie habe im Jahr 2004 im Auftrag der Bank einen Heidelberger TV-Rechtehändler besucht, der mit Ecclestone einen Rechtsstreit führte. Der Mann habe ihr ein Papier übergeben, das eine Verbindung zwischen Ecclestone und dem Familientrust von Ecclestones Ehefrau Slavica nahegelegt habe. Durch den Nachweis einer solchen Verbindung hätte der Trust vermutlich eine Steuernachzahlung in Milliardenhöhe leisten müssen.
Der Zeugin zufolge hatte sie das Papier unmittelbar nach ihrem Besuch in Heidelberg an Gribkowsky weitergereicht. Später habe ihr dann Gribkowsky triumphierend erzählt, er habe das Papier bei Ecclestone in London unauffällig auf dessen Schreibtisch liegen lassen. Kurz danach habe sich Ecclestone empört gemeldet und gefragt, woher er das Papier habe. Die Zeugin bestätigte damit im Kern eine Darstellung des Ecclestone-Biografen Tom Bower, der sich auf ein Gespräch mit Gribkowsky bezog. In seiner eigenen Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft hatte Ecclestone zugegeben: "Ich hatte Angst." Er habe wegen einer laufenden Steuerprüfung der britischen Finanzbehörden befürchtet, dass Hinweise von Gribkowsky weitere Nachforschungen hätten auslösen können. Ecclestone sagte weiter, wenn Gribkowsky ernst gemacht hätte, wäre er, Ecclestone, mit damals 76 Jahren pleite gewesen, ohne Haus, "ohne Armbanduhr". Dies sei der einzige Grund für die Millionenzahlungen gewesen.
An den genauen Inhalt des Schreibens konnte sich die Mitarbeiterin nicht mehr erinnern. Der TV-Rechtehändler bestritt, solch ein Papier übergeben zu haben, Ecclestone behauptete, das Schreiben nicht zu kennen; die Ermittler konnte es nicht auffinden. Für Ecclestones Familienstiftung hätte es auch heute noch gravierende Folgen haben können. Das Steuerverfahren in England wurde zwar 2008 mit einem millionenschweren Vergleich eingestellt, kann aber bei neuen Erkenntnissen jederzeit wieder eröffnet werden. Gribkowsky bestreitet jede Form der Erpressung.