Kaliningrads OB hat keine Angst vor den Deutschen
Keine Angst vor einer "Regermanisierung" Nord-Ostpreussens hat die heutige Stadtführung der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad, dem früheren deutschen Königsberg. "Ich sehe da keine Gefahr", sagt Oberbürgermeister Jurij Sawenko in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, "Deutschland kann ja noch nicht einmal die ehemalige DDR wirtschaftlich verdauen. Solche Geister aus der Vergangenheit schrecken hier keinen mehr." Unter den 926.000 Einwohnern des von EU- und Nato-Anwärtern umschlossenen Gebiets gibt es auch etwa 10.000 Russlanddeutsche.
Sorgen macht dem Stadtchef die wachsende Isolation der Ostseeprovinz, der Moskau nun auch den Status und die steuerlichen Präferenzen einer Sonderwirtschaftszone nehmen will. "Das wäre ein schwerer Schlag für unsere Entwicklung", warnt Sawenko. Mit ausländischen Investoren laufe dann in Kaliningrad "nichts mehr". Statt dessen solle Moskau dafür sorgen, so die Forderung des Stadtchefs, dass Kaliningrad "zum Testgebiet für neuartige Formen internationaler und wirtschaftlicher Beziehungen, zu einer Brücke zwischen der Europäischen Union und Russland werden" kann. Kaliningrad sei auf die Kooperation mit seinen europäischen Nachbarn angewiesen, "andere Gebiete Russlands haben dieses Problem nicht." (DER SPIEGEL 23/00, Seite 190)