"Unternehmerin des Jahres" fälscht Daten
Die Münchner Vorzeigeunternehmerin Jeanine Graf, die jetzt von einer hochrangigen Jury zur "Unternehmerin des Jahres" gekürt wurde, arbeitet mit falschen Angaben. Das schreibt das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe. Graf, Chefin des 1997 gegründeten Software-Unternehmens Inquire AG, schmückt sich mit dem Doktortitel einer amerikanischen "Brentwick University", die in keinem einschlägigen Verzeichnis auffindbar ist. Zudem gibt sie ihr Geburtsjahr mit 1970 an, obwohl sie laut ihren Papieren zwei Jahre älter ist, und sie stammt nicht aus Frankreich, wie sie öffentlich verbreitet, sondern aus dem Libanon.
Auch bei ihren Geschäften nimmt es die Gründerin, die über gute Verbindungen zu Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu verfügt, mit der Wahrheit nicht immer genau. So musste Graf sich gegenüber der Autofirma Porsche verpflichten, nicht mehr zu behaupten, das Unternehmen "sei Kunde oder verwende oder teste Software der Firma Inquire AG". Auch die Zahl der Inquire-Mitarbeiter ist inzwischen viel niedriger, als Graf gern behauptet hat - nicht 65 Leute, wie in der aktuellen Darstellung zum Unternehmerpreis zu lesen ist, sondern weniger als 10 Beschäftigte arbeiten nach internen Turbulenzen derzeit fest in Grafs Unternehmen.
Der angekündigte Börsengang, sagt Graf, sei verschoben: "Ich stecke in einer Krise, aber da komme ich auch wieder heraus." Ausgewählt wurde Graf von der Unternehmensberatung Ernst & Young, SAP, der Deutschen Börse und einer hochkarätigen Jury, zu der etwa Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz gehörte. Das zur SPIEGEL-Gruppe gehörende "Manager Magazin" hat als "Medienpartner" die Preisträger vorgestellt. (DER SPIEGEL 23/00, Trends)