Schadstoffe im Kindergarten - DER SPIEGEL
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Schadstoffe im Kindergarten

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Raumluft in vielen deutschen Kindergärten ist durch Schadstoffe belastet. In jeder zehnten von 500 bisher analysierten Proben fand das Labor des Nürnberger Unternehmens Lino Diagnostic Lösemittel und andere leichtflüchtige organische Verbindungen in Konzentrationen, die über dem vom Umweltbundesamt festgelegten Wert von 0,3 Milligramm pro Kubikmeter liegen. Das meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe. Das Unternehmen, das im Auftrag von Kommunen und Industrie Schadstoffe in rund 50.000 Gebäuden bundesweit untersuchte, startete im März eine Großaktion.

Geplant ist eine Bestandsaufnahme der Raumluftqualität in allen 44.000 Kindertageseinrichtungen in Deutschland - kostenlos für die Träger. Bisher haben 3500 die mit Aktivkohle gefüllten Messröhrchen, die zwei Wochen lang die vorhandenen Schadstoffe aufgenommen haben, an das bayerische Labor zurückgeschickt. Dort werden sie auf 69 Schadstoffe untersucht. Obwohl die Masse der Analysen noch aussteht, halten die Chemiker des Unternehmens ihre ersten Ergebnisse für repräsentativ. Auffallend ist danach der Rückgang klassischer Lösemittel: Toluol, Xylole oder das krebserzeugenden Benzol kommen seltener vor als noch in den achtziger Jahren. Zugenommen haben dagegen die etwa in Biofarben enthaltenen Terpene. Diese Stoffe können laut Lino Diagnostic gerade bei Kindern zu Allergien führen.

Das Unternehmen will mit den gewonnenen Daten seine Marktposition ausbauen. Die Firma wirft vielen Kommunen eine unverantwortliche Blockade der Aktion vor. Großstädte wie München oder Köln verboten ihren Kindergärten die Teilnahme an der Untersuchung. Die Messungen, so die offizielle Begründung, seien mit dem Träger nicht abgesprochen. Herbert Schaller von Lino Diagnostic mutmaßt dagegen, "dass die Städte, die sich nicht beteiligen, etwas verbergen wollen". DER SPIEGEL 23/00, Panorama Deutschland)