Wieder iranischer Mordaufruf wegen der "Satanischen Verse"
Gefolgsleute des iranischen Religionsoberhauptes Ajatollah Ali Chamenei rufen zur Ermordung eines in Essen lebenden Verlagsleiters auf, der eine persische Neuauflage von Salman Rushdies "Satanischen Versen" herausgegeben hat. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL meldet, nimmt der deutsche Staatsschutz die Drohungen gegen den Exil-Iraner Dawoud Nemati "sehr ernst". Die iranische Wochenzeitung "Dschabhe" (Die Front) hatte am 5. Mai erstmals "die Vollstreckung des Mordaufrufs" mit den Worten "Tötet ihn!" gefordert und dafür auch die vollständige Adresse Nematis abgedruckt. "Die Vollstrecker des Todesurteils sind aufgerufen, sich bereit zu halten!", heißt es in dem Blatt.
Nemati, dem vom Staatsschutz eine ständig erreichbare Kontakt-Telefonnummer gegeben wurde, fürchtet um sein Leben: "Man will mich für vogelfrei erklären." Mit gleich lautenden Drohungen wurde Ende 1998 in Iran zur Ermordung von etlichen Autoren und Oppositionellen aufgerufen. Fünf wurden inzwischen tot aufgefunden. Der Bundesregierung kommt die Bedrohung des Essener Exil-Verlegers äußerst ungelegen: Sie rechnet noch im Sommer mit dem Besuch des iranischen Präsidenten Chatami in Berlin. Dem Staatsschutz liegen bereits Hinweise auf geplante größere Protestaktionen vor. (DER SPIEGEL 23/00, Panorama Deutschland)