Investmentbank Morgan Stanley sollte bei umstrittenem EnBW-Deal des Landes Baden-Württemberg mehr verdienen als bekannt
Der 4,7 Milliarden Euro teure Einstieg des Landes Baden-Württemberg beim Energieversorger EnBW sollte der Investmentbank Morgan Stanley weitaus mehr Honorar sichern als bekannt. Das geht aus einer Vereinbarung hervor, die die Bank am 2. Dezember 2010 mit einer Landestochter abgeschlossen hat, vier Tage vor der Bekanntgabe des Aktienkaufs. Das umstrittene Geschäft, das dem Land mittlerweile einen Wertverlust von einer Milliarde Euro eingebracht hat, hatte Morgan-Stanley-Chef Dirk Notheis begleitet, ein langjähriger Freund des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU). Morgan Stanley hatte den Auftrag ohne Ausschreibung erhalten. In der nun aufgetauchten Vereinbarung wurde der Bank ein Transaktionshonorar von 0,275 Prozent zugesichert, was rund 13 Millionen Euro entsprach. Darüber hinaus ließ sich die Bank zusichern, dass sie die Anleihe, die das Land für den Aktienkauf herausgeben wollte, am Markt platzieren durfte. Dafür sollte ein zusätzliches Honorar bestimmt werden. Für den Fall, dass das Land später Teile des Aktienpakets an die Börse bringen würde, sicherte sich Morgan Stanley den Anspruch auf ein Mandat als "Global Coordinator und Bookrunner" zu. Erneut sollte das Honorar erst später festgelegt werden. Tatsächlich kam es allerdings nicht mehr dazu, dass Morgan Stanley die Anleihe platzierte, nachdem die enge Verbindung zwischen Mappus und Notheis nach dem Aktienkauf kritische Fragen in der Öffentlichkeit hervorgerufen hatte. Stattdessen verzichtete das Land ganz darauf, die Anleihe privaten und institutionellen Anbietern zum Kauf anzubieten. Sie wurde vielmehr von der landeseigenen Förderbank L-Bank in ihren Bestand genommen. Damit steht der 4,5-Milliarden-Kredit, den sich das Land mit zwei Teilanleihen besorgt hatte, komplett in den Büchern einer Landestochter.