Steuerfahnder überprüfen rund 70 DFB-Schiedsrichter
Der Steuerskandal um Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) weitet sich aus: Mittlerweile überprüfen die Ermittler rund 70 aktive und ehemalige DFB-Unparteiische wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Nach Erkenntnissen der Fahnder sollen manche der Beschuldigten über 100.000 Euro an Einnahmen verschwiegen haben, vor allem für die Leitung internationaler Spiele. Nach Informationen des Nachrichten- Magazins SPIEGEL heißt es in einer Notiz der Fahnder, es müsse "von einem System ausgegangen werden". Eine der Schlüsselfiguren, so steht es in den Akten, sehen die Ermittler in dem früheren DFB-Schiedsrichter Winfried Buchhart. Der 53-jährige Buchhart, der im Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbands sitzt und als Wirtschaftsprüfer des Verbands arbeitet, ist Inhaber der Schrobenhausener Treuhand GmbH, eines Steuerbüros in der Nähe von Augsburg. Mindestens sechs der Schiedsrichter, die von den Ermittlern der Steuerhinterziehung bezichtigt werden, werden von Buchharts Kanzlei vertreten. Fahnder des Finanzamts Augsburg-Stadt gehen davon aus, dass die Schrobenhausener Treuhand GmbH Steuererklärungen der Referees fast schon routinemäßig mit erfundenen Kosten für Dienstfahrten, Bewirtung, Rechtsberatung oder Geschenke manipuliert habe, um so die Steuerbelastung für die Schiedsrichter zu senken. Gegenüber dem SPIEGEL kommentierte Buchhart die Anschuldigungen nicht, "aus Gründen des Steuergeheimnisses", wie er sagte. Einer von Buchharts Mandanten, der Stuttgarter DFB-Schiedsrichter Jan-Hendrik Salver, wurde bei einer bundesweiten Razzia, die den Codenamen Aktion "Abseits" trug, von Fahndern des Finanzamts Stuttgart II in seiner Wohnung aufgesucht. Bei der Durchsuchung übergab Salver den Beamten unaufgefordert Unterlagen zu einem Konto, das er bei der Liechtensteiner LGT-Bank führt. Die Fifa hatte dem Linienrichter auf dieses Konto seit 2006 mehr als 50.000 Euro für Einsätze bei Großveranstaltungen überwiesen, unter anderem bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland und den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Der Schiedsrichterassistent soll das Geld in seinen Steuererklärungen nicht angegeben haben. Salver äußerte sich gegenüber dem SPIEGEL nicht zu den Vorwürfen. Auch Steuerberater Buchhart äußerte sich nicht zu der Frage, ob er seinem Mandanten Salver geraten hatte, sich jahrelang Geld von der Fifa auf ein Konto bei der Liechtensteiner LGT-Bank überweisen zu lassen und diese Einkünfte vor dem deutschen Fiskus zu verbergen.