Schlechte Hygieneverhältnisse in Bremer Neugeborenen-Station
Die Hygieneverhältnisse auf der Neugeborenenintensivstation im Klinikum Bremen-Mitte, wo in den vergangenen Monaten mindestens drei Frühgeborene an einer Infektion mit multiresistenten Darmkeimen starben, sind nach außen offenbar viel zu positiv dargestellt worden. In einem bundesweiten Vergleich, der im Online-Portal "Qualitätskliniken. de" einsehbar ist, schneidet die Bremer Neugeborenenstation äußerst schlecht ab. "90 Prozent der größeren Neonatologie-Abteilungen weisen bessere Ergebnisse auf", sagt Günther Heller, Projektleiter der Bundesfachgruppe Perinatalmedizin des Aqua-Instituts, das die Daten gesammelt und ausgewertet hat. "Wir haben auffällige Befunde", sagt Diethelm Hansen, Chef des Klinkverbundes Gesundheit Nord, zu dem das Klinikum Bremen-Mitte gehört. Warum der Ausbruch des Keims erst im September gemeldet wurde, obwohl er schon im April aufgetreten war, versucht das Klinikum derzeit noch herauszufinden. Die Infektionen mit multiresistenten Keimen wurden bislang nicht systematisch im Computer erfasst. Stattdessen wurden alle mikrobiologischen Befunde der Abteilung in einem Aktenordner abgeheftet, der regelmäßig von einer zur Hygienefachkraft weitergebildeten Krankenschwester auf Auffälligkeiten durchgesehen wurde. Um Pannen künftig zu vermeiden, werde die Klinik nun "strikte Verfahrensabläufe" festlegen, sagte Hansen. Die oppositionelle Bremer CDU will in einem Untersuchungsausschuss klären, ob statt menschlichen Versagens womöglich die Sorge um den Ruf des Klinikums und wirtschaftliche Gründe zur verspäteten Meldung geführt haben könnten.