Aversionen internationaler Spitzenpolitiker gegenüber den Kanzlern Kohl und Schmidt waren größer als bisher bekannt
Die persönlichen und politischen Aversionen internationaler Spitzenpolitiker gegenüber den Kanzlern Helmut Schmidt und Helmut Kohl waren deutlich größer als bisher bekannt. So bezeichnete Frankreichs Präsident François Mitterrand (1981 bis 1995) Schmidt intern als "kaputten Charakter" und klagte, Kohl sei mehr "Wahltaktiker" als Staatsmann. Auch Zbigniew Brzezinski, Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter (1977 bis 1981), mochte Schmidt nicht. Er attestierte dem Deutschen eine "seltsam erratische Persönlichkeit" sowie "pathologische Probleme". Und Kreml-Chef Michail Gorbatschow erklärte noch 1989, Kohl betreibe "waschechten Revanchismus". Die Zitate stammen aus einer neuen Biografie über Hans-Dietrich Genscher (Verlag Ferdinand Schöningh). Dem früheren Außenminister fiel die Aufgabe zu, die allseitige Verärgerung über die damaligen Bonner Regierungschefs abzufedern. Biograf Hans-Dieter Heumann hat mit vielen Betroffenen gesprochen. Vor allem Schmidt teilte dabei kräftig aus. Gegenüber Heumann bezeichnete er die US-Administration von Jimmy Carter als "geistig minderbemittelte Regierung". Selbst über Genscher lästerte der Altkanzler. Der sei nur ein "guter Vertragsrechtsanwalt", er könne in ihm "nicht einen sonderlich herausragenden konzeptionellen Denker" sehen. Schmidt will Genscher außenpolitische "Spielwiesen" überlassen haben, damit dieser "mit Erfolgen auftreten" könne.