Kanzleramt fordert Aufklärung über vernichtete BND-Akten
Das Kanzleramt drängt den Bundesnachrichtendienst (BND), seinen sogenannten Geschichtsskandal aufzuklären. Der Geheimdienst hatte vergangene Woche eingeräumt, im Jahr 2007 Personalakten von früheren Mitarbeitern mit NS-Vergangenheit vernichtet zu haben; schon damals war bekannt, dass BND-Präsident Ernst Uhrlau die braunen Wurzeln des Dienstes aufarbeiten lassen wollte. Ersten Ermittlungen zufolge soll eine Archivmitarbeiterin die Vernichtung mit Hinweis auf Platzmangel vorgeschlagen haben. Ihre Vorgesetzte, damals neu beim BND, soll dem Vorschlag aus Unerfahrenheit zugestimmt haben. Von den insgesamt 253 entsorgten Personalakten betrafen ungefähr 60 ehemalige BNDler, die einst SS oder Gestapo angehört hatten oder aus anderen Gründen als NS-belastet gelten. Paradoxerweise hat der Nachrichtendienst trotz des vorgeblichen Platzmangels kürzlich beschlossen, seine historischen Akten nicht mehr ans Bundesarchiv in Koblenz abzugeben. Wissenschaftler und Journalisten sollen nur in Pullach Einsicht nehmen können.