Kultur-Staatsminister Naumann äußert sich erstmals zu Vorwürfen über sein Vorgehen bei der Neubesetzung des Berlinale-Chefpostens
Kultur-Staatsminister Michael Naumann wehrt sich in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL heftig gegen die zum Teil harte Kritik an seinem Vorgehen bei der Neubesetzung des Berlinale-Chefpostens. Niemand solle sich "darüber echauffieren", bei der Kündigung des bisherigen Leiters der Berliner Filmfestspiele, Moritz de Hadeln, habe er "stillos und übel" agiert: "Das stimmt nicht", so Naumann, de Hadeln sei keineswegs im Urlaub von der Nachricht seines Rausschmisses nach über 20 Jahren im Berlinale-Amt überrascht worden, "er ist umgehend telefonisch informiert worden, und zwar taktvoll." Er weigere sich, über De Hadelns Nachfolge öffentlich zu diskutieren, so Naumann weiter.
Gemeinsam mit dem Berliner Kultursenator Christoph Stölzl werde er in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffen: "Wenn über einen Kandidaten wochenlang öffentlich debattiert wird, kann ihm das nur schaden", glaubt der Kultur-Staatsminister, "die Berlinale-Leitung ist keine Funktion, die einer Urabstimmung durch die Filmkritik unterliegt, sondern vielmehr einer Abstimmung zwischen dem Bund und Berlin." Der neue Chef des Filmfestivals müsse "ein Team Player" sein, fordert Naumann, "denkbar ist auch ein Doppelspitze aus künstlerischem und organisaotrischem Leiter." Vorgaben über das inhaltliche Profil der Berlinale werde es von seiner und Stölzls Seite nicht geben: "Das ist nicht Aufgabe der Politik." (DER SPIEGEL 24/00, Seite 202)