SEC-Kontrolleur kritisiert Daimler
Der ehemalige FBI-Chef Louis Freeh, der im Auftrag der US-Börsenaufsicht SEC den Daimler-Konzern als Monitor beaufsichtigt, hat die Stuttgarter in seinem streng geheimen neuen Bericht kritisiert. Freeh soll überwachen, ob der deutsche Autokonzern ein System aufbaut, mit dem Korruption und Selbstbedienung durch das Management effektiv verhindert werden. Freeh bescheinigt Daimler zwar "sehr gute Fortschritte", verweigerte dem Konzern aber die vollständige Zertifizierung, also die Anerkennung seines Anti-Korruptions-Programms. Freeh soll bis März 2013 überwachen, ob Daimler die Auflagen der US-Börsenaufsicht erfüllt. Kommt der Ex-FBI-Chef dann zu einem negativen Urteil, droht dem Autokonzern eine Klage und Milliardenstrafen. In seinem "First Follow-up Monitor Report" führt Freeh vier Kritikpunkte an. Die Daimlerinternen Untersuchungen von Verdachtsfällen seien zu langsam. Der Konzern unter suche seine Geschäftspartner in sogenannten Hochrisikoländern, die als sehr korrupt gelten, nicht ausreichend. Drittens prüfe Daimler nicht, ob die eingesetzten Methoden zur Korruptionsbekämpfung auch wirken. Und viertens habe der Konzern "unethisches Verhalten von Führungskräften" nicht konsequent verhindert. Darunter versteht Freeh vor allem die Selbstbedienungsmentalität vieler Manager. Der Autokonzern hat in vielen Fällen bereits reagiert. Seit August vergangenen Jahres hat Daimler laut einer internen Aufstellung bereits 30 Manager fristlos entlassen, neun Führungskräfte erhielten eine ordentliche Kündigung. Zudem hat der Daimler-Konzern auf Geschäfte in verschiedenen Ländern verzichtet, die als hochgradig korrupt gelten. Allein die Lastwagen-Sparte verzichtete dadurch in den vergangenen zwölf Monaten nach SPIEGEL-Informationen auf Geschäfte im Umfang von 52,8 Millionen Euro. Daimler musste sogar Schadensersatz zahlen, weil das Unternehmen bereits geschlossene Lieferverträge nicht einhielt.