Scharping wirbt um PDS
Zehn Jahre nach dem Einzug der PDS in den Bundestag hat erstmals ein Regierungsmitglied bei den Postkommunisten um Zustimmung für ein Vorhaben des Bundeskabinetts geworben. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, diskutierte eine Stunde lang Verteidigungsminister Rudolf Scharping vergangene Woche mit der Spitze der PDS-Bundestagsfraktion über sein Konzept für die Reform der Bundeswehr. Scharping hatte sogar der gesamten PDS-Fraktion ein Treffen angeboten, das aus Termingründen dann aber nicht zu Stande kam.
Bislang hielt die Bundesregierung Distanz zur PDS; zum Rentengipfel etwa wurde die SED-Nachfolgepartei nicht eingeladen. Dass ausgerechnet Scharping nun um die PDS wirbt, ist nicht ohne Pikanterie. Als SPD-Chef und Kanzlerkandidat hatte er 1994 einen harten Abgrenzungskurs gegenüber der Partei verlangt. Ganz unverkrampft ging es noch immer nicht zu: Scharping verbat sich Fernsehaufnahmen vom Händedruck mit PDS-Fraktionschef Gregor Gysi. (DER SPIEGEL 24/00, Panorama Deutschland)