Commerzbank sucht Lösungen, um ohne neue Staatsfinanzen auszukommen - DER SPIEGEL
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Commerzbank sucht Lösungen, um ohne neue Staatsfinanzen auszukommen

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit verschiedenen Kunstgriffen will die Commerzbank verhindern, dass sie erneut um Staatshilfe bitten muss. So sollen Mitarbeiter möglicherweise zum Teil mit Aktien entlohnt und Kreditgeschäfte eingeschränkt werden. Die Zeit drängt, denn bis Freitag müssen Europas Banken darlegen, wie sie ihr Kapital so aufpolstern können, dass sie für eventuelle Staatspleiten gewappnet sind. Das verlangt die europäische Finanzaufsicht. Die Commerzbank braucht 5,3 Milliarden Euro, damit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht erneut ins Staatssäckel greifen muss. Schon während der Lehman-Krise hatte das zu 25 Prozent staatseigene Geldinstitut nur mit Hilfe von Steuergeldern gerettet werden können. Nun rechnen die Banker um Vorstand Martin Blessing diverse Modelle durch, damit es nicht wieder so weit kommt.

Einen schönen Batzen könnte es bringen, wenn Mitarbeiter den variablen Teil ihres Gehalts für 2011 in Aktien des eigenen Instituts erhielten. Darüber wird derzeit im Vorstand ernsthaft diskutiert. 2010 ging es immerhin um 437 Millionen Euro. Dieses Mal dürfte es aber deutlich weniger sein.

Auch die Allianz könnte ihr Scherflein beitragen: Sie ist mit einer stillen Einlage von 750 Millionen Euro engagiert. Würde die Versicherung die Einlage in Aktien tauschen, wäre der Bank ebenfalls ein Stück geholfen. Der Deal ist jedoch noch nicht perfekt.

Politisch umstritten sind Pläne, das Kreditgeschäft zu drosseln. Intern hat man schon mal gerechnet: Wenn für 30 Milliarden Euro weniger Geschäfte gemacht würden, brauchte die Bank 2,7 Milliarden Euro weniger zur Absicherung. Deshalb macht das Institut beispielsweise mit dem Mittelstand außerhalb von Deutschland und Polen schon jetzt keine neuen Geschäfte. Insider räumen ein, dass zudem auf dem Heimatmarkt mit Großkunden darüber verhandelt wird, ungenutzte Kreditlinien zu kürzen. In Berlin wird das skeptisch beäugt. Es geht die Furcht um, dass ein zu starker Abbau der Kreditvergabe die Wirtschaft schwächen könnte. "Wir haben die Banken gerettet, weil sie als Kreditgeber eine wichtige Funktion für die Wirtschaft haben", sagt der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick. "Der Wunsch des Vorstands, die Blamage einer erneuten Staatshilfe zu vermeiden, darf nicht Vorrang vor wirtschaftspolitischen Zielen haben."