Deutsche Diplomaten und italienische Stellen schützten Kriegsverbrecher vor Strafverfolgung
Hohe Bonner Diplomaten mit NS-Vergangenheit haben Ende der fünfziger Jahre gemeinsam mit italienischen Staatsanwälten die strafrechtliche Verfolgung eines der schlimmsten deutschen Kriegsverbrechen in Italien sabotiert. Das geht aus Dokumenten des Auswärtigen Amtes über das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen im März 1944 hervor. Danach übergab 1959 ein römischer Militärstaatsanwalt dem deutschen Botschafter Manfred Klaiber eine Liste mit Namen von Tätern, erklärte aber, ein Prozess sei in Italien "aus allgemeinen innerpolitischen Gründen nicht erwünscht". Er bat darum, ihm zu bestätigen, "dass entweder keiner der Beschuldigten mehr lebe oder aber, dass ihre Aufenthaltsorte nicht zu ermitteln" seien. Klaiber forderte die Zentrale in Bonn auf, die "tunlichst negative Antwort" zu erteilen, was prompt geschah. Unter den angeblich nicht auffindbaren Beschuldigten waren auch der Chefjustitiar der Deutschen Bank und ein BND-Mitarbeiter. Kurz darauf lag der Botschaft zumindest eine Adresse sogar nachweislich vor und wurde bewusst zurückgehalten. Alle an dem Vorgang beteiligten Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes waren ehemalige NSDAP-Mitglieder und hatten schon vor 1945 Hitler als Diplomaten oder Richter gedient.