Ungedeckte Rechnungen sollen Insolvenz bei Schlecker ausgelöst haben
Der Zeitpunkt der Insolvenz des Drogerie-Imperiums hat nach Informationen des Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL wohl auch mit ungedeckten Rechnungen zu tun: Wie andere Handelsunternehmen wickelt Schlecker seine Zahlungen über das Verrechnungskontor Markant ab, das als eine Art Zwischenhändler zwischen Hersteller und Handel fungiert. Von Schlecker sollen dort zu viele unbezahlte Rechnungen aufgelaufen sein, am Freitag soll eine letzte Zahlungsfrist abgelaufen sein. Es habe dramatische Telefonate mit der Bitte um Zahlungsaufschub gegeben. Anscheinend hatten die Finanzleute bei Schlecker mit mehr Kulanz gerechnet, berichtet der SPIEGEL.
Rechtsexperten glauben, dass die Insolvenz auch dazu dienen kann, die teuren Tarifverträge mit der Gewerkschaft Ver.di kündigen zu können. "Der größte Vorteil ist", sagt der Bremer Insolvenz-Anwalt Klaus Klöker dem SPIEGEL, "dass Schlecker nicht zerschlagen wird. Das Unternehmen bleibt als Rechtsträger erhalten und kann sich von allen nicht lukrativen Geschäften trennen, die lukrativen aber kann es behalten." Der Insolvenzverwalter kann helfen, im Planverfahren das Unternehmen von allen langfristigen Verträgen durch Sonderkündigungsrechte zu entlasten. Dazu gehören neben Miet-, Pacht-, Leasing- und Lieferverträgen insbesondere auch die Arbeits- und Tarifverträge. "Gerade hier liegen die Vorteile gegenüber eine außergerichtlichen Unternehmenssanierung", sagt Klöker. Schlecker wäre sonst bis Juni an einen Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag gebunden gewesen, der Entlassungen unmöglich macht.
Wettbewerber zeigten sich wenig überrascht von der Insolvenz. Andere Drogerieketten hätten sich frühzeitig modernisiert. "Alle hatten einfach immer die besseren Konzepte, waren schöner, größer, haben die Mitarbeiter hinter sich gehabt", sagte Dirk Roßmann, Gründer der gleichnamigen Kette, dem SPIEGEL über den Konkurrenten.