SPIEGEL Ex-Bundesbankpräsident Pöhl lehnt Kursstützungen für den Euro ab
Die Europäische Zentralbank sollte die Zinsen nach Meinung Karl Otto Pöhls weiter anheben. In einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL vertrat der ehemalige Bundesbankpräsident die Meinung, das Wachstum in Europa sei stark genug und könne "ein höheres kurzfristiges Zinsniveau durchaus verkraften". Für Pöhl sind vor allem die höheren Zinsen in den USA Ursache für die Schwäche des Euro gegenüber der amerikanischen Währung.
Interventionen der Zentralbanken zugunsten des Euro lehnt Pöhl, der maßgeblich am Zustandekommen der europäischen Währungsunion beteiligt war, ab. Statt kurzfristiger Kursstützungen empfiehlt er den Amerikanern, den günstigen Euro-Kurs nach und nach für die Aufstockung ihrer Devisenreserven zu nutzen.
Der Berliner Regierung wirft Pöhl "eine ganz miserable Politik" vor. Statt Schulden abzubauen sollte Finanzminister Hans Eichel, so meint Pöhl, der unter Kanzler Helmut Schmidt Staatssekretär im Bonner Finanzministerium war, lieber die Einkommensteuer weiter senken und mehr Geld für Universitäten ausgeben. Geld könne sich die öffentliche Hand durch weitere Privatisierungen beschaffen. So sollten nach Pöhls Meinung Länder und Gemeinden Landesbanken und Sparkassen verkaufen.