"Putin macht strategische Fehler" - meint der russische Großfinanzier Beresowski
Der Moskauer Großfinanzier Boris Beresowski hat scharfe Kritik an Wladimir Putin geübt, dessen Wahl zum russischen Staatspräsidenten er massiv unterstützt hatte. Putin strebe ein Regime nach dem Muster des chilenischen Generals Pinochet an, erklärte Beresowski in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, doch die Verbindung von Wirtschaftsliberalismus und politischem Diktat könne in einer "Explosion" enden.
Putin habe schlechte Berater, äußerte der Finanzmagnat, und habe zwei "strategische Fehler" begangen: Er suche noch immer nicht nach einer politischen Lösung des Tschetschenien-Krieges, überdies zerstöre die Entmachtung der Provinzgouverneure die Grundlagen des demokratischen Bundesstaates.
Die Verhaftung des Medien-Zars Gussinski, seines wirtschaftlichen und politischen Rivalen, führt Beresowski auf eine Geheimdienst-Intrige alter KGB-Leute zurück; Putin habe davon nur "in großen Umrissen" gewusst, und die Aktion sei nicht gegen Gussinskis Medienkonzern gerichtet. Doch der Pinochet-Kurs müsse früher oder später auch zur Gleichschaltung von Fernsehen und Zeitungen führen. Es sei "höchste Zeit" für die Formierung einer Opposition gegen Putin.
In Bezug auf die Ermittlung der Moskauer Staatsanwaltschaft wegen einer angeblichen Veruntreuung von Aeroflot-Geldern in der Schweiz, in die Beresowski verwickelt sein soll, erklärte Beresowski, er und seine Bevollmächtigten hätten sich strikt an die Gesetze gehalten. Einen Haftbefehl habe er bereits hinter sich, "und vielleicht auch wieder vor mir".